Forscher sollen sich mit dem politischen Handeln von Heinrich Klimmer beschäftigen

Straßenname bleibt Thema

Raus aus der Sackgasse: Wissenschaftler sollen das politische Wirken von Heinrich Klimmer untersuchen und so neue Informationen zur Beurteilung eines alten Streits um die Namensgebung einer Guxhagener Straße liefern. Foto: Grugel

Guxhagen. Die Gemeindevertreter in Guxhagen haben in ihrer Jahresabschlusssitzung mit Blick auf die seit langem umstrittene Heinrich-Klimmer-Straße auf Antrag aller Fraktionen beschlossen: die Person Heinrich Klimmer und ihr politisches Handeln wissenschaftlich untersuchen zu lassen. Die Entscheidung fiel am Freitagabend mehrheitlich bei drei Gegenstimmen und einer Enthaltung.

Das nötige Geld für das Gutachten soll nach dem Parlamentsbeschluss im nächsten Jahr verfügbar sein. Das Forschungsergebnis ist den politischen Gremien vorzustellen und soll der Information der Einwohner dienen, verfügten die Gemeindevertreter.

Bereits in der Vergangenheit war Heinrich Klimmer Gegenstand wissenschaftlicher Studien. „Klimmer, der bereits im November 1932 in die NSDAP eintrat, war seit Oktober 1933 in Breitenau zunächst als Vorsteher und seit 1936 als Direktor der Landesarbeitsanstalt tätig“, heißt es in einem Beitrag von Dr. Gunnar Richter zum nationalsozialistischen Lagersystem. Der Leiter der Gedenkstätte Breitenau hatte bereits 1998 darauf hingewiesen, Klimmers Aufgabe habe in Guxhagen darin bestanden, die Häftlinge zu bestrafen und hart arbeiten zu lassen. Zu den Häftlingen unter seiner Aufsicht gehörten Bettler, Landstreicher, Prostituierte und Fürsorgezöglinge – sie sollen der kollektiven Erinnerung nach unter anderem einen Sportplatz in Guxhagen gebaut haben.

Erst im November hatten die Bündnisgrünen in der Guxhagener Gemeindevertretung einen Antrag auf Umbenennung der Heinrich-Klimmer-Straße zurückgezogen. Die Namensgebung sei bedrückend, man wolle aber eine breite Mehrheit hinter dem Antrag versammeln, hatte seinerzeit Fraktionschef Rolf Peter Ligniez den Rückzieher begründet. Die kam nun am Freitagabend für den neuen fraktionsübergreifenden Antrag zustande.

Bei der Suche nach Informationen über Heinrich Klimmer sei ihm deutlich geworden, dass das Parlament sich mit der Thematik auseinandersetzen müsse, begründete Jürgen Hildebrandt (SPD) den Antrag von SPD, Gemeinschaftsliste, CDU und Bündnisgrünen. Hildebrandt zum Straßennamen: „Ich möchte antworten können, wenn man mich danach fragt.“

Eine wissenschaftliche Beurteilung bringe möglicherweise neue Erkenntnisse, „wie die Person gesehen werden muss“, begründete Martin Graefe (CDU) seine Zustimmung zum Antrag. Seine Fraktionskollegin Andrea Löw-Neumann stimmte gegen den Antrag und begründete dies unter anderem mit der Haushaltslage der Gemeinde.

Studenten einbinden

Ulrich Manthei kündige in der Debatte für die Gemeinschaftsliste an, seine Fraktion werde dem Antrag mehrheitlich zustimmen. Die Kosten für das Gutachten könnten wahrscheinlich gering gehalten werden. Manthei: „Es gibt Studenten, die bereit sind, eine Doktor-Arbeit über Heinrich Klimmer zu schreiben.“

Quelle: HNA

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