Streit um Geldbörse: Landgericht verurteilte Mann wegen Körperverletzung

Marburg/Schwalmstadt. Verworfen wurde die Berufung eines 39-jährigen Metallbauers aus Korbach, den das Amtsgericht Schwalmstadt bereits im Juli dieses Jahres wegen einer vorsätzlichen Körperverletzung zu einer sechsmonatigen Gefängnisstrafe ohne Bewährung verurteilt hatte.

Auf Grund seiner mittlerweile veränderten Lebensumstände und begründeter Zweifel an einer vorsätzlichen Körperverletzung setzte das Gericht die Strafe zur Bewährung aus.

In der Nacht des 7. Juli 2011 hatte der Angeklagte auf einer Bank in der Treysaer Bahnhofshalle geschlafen, weil er dort auf einen später fahrenden Zug gewartet hatte. Der Geschädigte, der vor Gericht als Nebenkläger auftrat, hatte nach eigenen Angaben die auf dem Boden liegende Geldbörse des zu diesem Zeitpunkt schlafenden Angeklagten durchsucht, aber sie wieder hingelegt, nachdem er festgestellt hatte, dass diese kein Bargeld enthielt.

Der Angeklagte, der dabei aufwachte und davon ausging, dass der andere seinen Geldbeutel entwendet hatte, verfolgte daraufhin den Mann und versetzte ihm anschließend mehrere Faustschläge in das Gesicht.

Außerdem steckte er seine rechte Hand in die Jackentasche und äußerte, er habe ein Messer und werde ihn abstechen. Ob der Nebenkläger dem Angeklagten die Geldbörse aus der Tasche gezogen hatte oder ob sie nach der Version des Nebenklägers tatsächlich auf dem Boden gelegen hatte ließ sich im Nachhinein nicht mehr zweifelsfrei feststellen.

Auf Grund des von dem Angeklagten angenommenen Diebstahls wertete das Marburger Landgericht deshalb die Tat zur Wiedererlangung seines Eigentums lediglich als eine fahrlässige Körperverletzung in Verbindung mit einer versuchten Nötigung.

Erschwerend für die Strafzumessung kam für den Angeklagten hinzu, dass er zehn seiner 39 Lebensjahre im Gefängnis verbracht hatte und ein Vorstrafenregister von 17 Einträgen aufwies. Darunter waren neben vielen Drogendelikten auch etliche gewaltkriminelle Eintragungen.

Die Verfolgung und die Festnahme des Geschädigten waren nach Auffassung des Gerichts auf Grund des angenommenen Diebstahls durch den Angeklagten rechtmäßig gewesen, betonte der Richter.

Drogenproblem im Griff

Die Körperverletzung und die Nötigung durch die Androhung des Messereinsatzes nicht. „Augenscheinlich haben sich Ihre Lebensumstände mittlerweile stabilisiert und Sie haben Ihre Drogenproblematik ebenfalls im Griff“, begründete Richter Klaus-Dieter Schwaderlapp das Urteil. Zusätzlich muss der Angeklagte ein Schmerzensgeld in Höhe von 300 Euro an den Geschädigten zahlen.

Von Alfons Wieber

Quelle: HNA

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