Streit ums Kindeswohl

In schweren Fällen können Familiengerichte Eltern das Sorgerecht für ihre Kinder entziehen. Gründe dafür können beispielsweise Missbrauch oder Misshandlung sein: „Entscheidend ist, dass das Kind in Gefahr ist“, erklärt Eva Becker, Fachanwältin für Familienrecht.

Gibt es Personen, die dem Kind nahestehen, kann das Gericht ihnen das Sorgerecht übertragen. Meist kommen zuerst Angehörige in Betracht, etwa Oma, Tante oder Onkel. „Es können aber auch andere Personen sein“, erklärt Becker. Gebe es eine Freundin der Mutter, zu der das Kind eine enge Bindung habe, könne sie genauso gut das Sorgerecht übernehmen.

Amtsvormund

Weiß das Jugendamt aber nichts über die Familienverhältnisse oder hat nur wenig Zeit zur Entscheidung, wird die elterliche Sorge zunächst einem Amtsvormund übertragen. Er entscheidet dann, ob das Kind in ein Pflegeheim kommt oder von Pflegeeltern betreut wird.

In der Regel ist der Entzug der elterlichen Sorge aber der letzte Schritt. Im Vorfeld versuche das Jugendamt, eine andere Lösung zu finden. Hat etwa ein Elternteil Alkoholprobleme, versuche die Behörde, ihn oder sie zu einer Therapie zu bewegen. Damit das Kind in diesem Zeitraum weiter betreut wird, kann ein Familienhelfer dem anderen Elternteil unter die Arme greifen. Erst wenn so ein Versuch scheitert, etwa weil sich Mutter oder Vater weigern, wird die elterliche Sorge entzogen.

Deutsche Familiengerichte haben Eltern im vergangenen Jahr in rund 12 700 Fällen des Sorgerecht ganz oder teilweise entzogen, wie das Statistische Bundesamt mitteilt. Für etwa 9600 Mädchen und Jungen übertrugen die Gerichte das Sorgerecht auf die Jugendämter. Bei den übrigen Kindern übernahmen es andere Erwachsene oder ein Verein. (tmn)

Quelle: HNA

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