Vorsätzliche Körperverletzung

Streit unter Nachbarn - 48-Jähriger verurteilt

Treysa. Ein Streit unter Nachbarn beschäftigte das Amtsgericht in Treysa. Angeklagt war ein 48-Jähriger aus dem Altkreis Ziegenhain. Wegen Sachbeschädigung und zwei Fällen der Körperverletzung musste er sich vor dem Strafrichter verantworten.

Der Mann soll eine Nachbarin so heftig geschlagen haben, dass sie zu Boden fiel, wo er auf sie eingetreten haben soll. Zudem wurde ihm zur Last gelegt, eine Bekannte mit der Faust ins Gesicht geschlagen und mit einer Softairwaffe, einer Druckluftwaffe mit Kunststoffmunition, eine Fensterscheibe im Nachbarhaus zerschossen zu haben.

In einem Fall der Körperverletzung sowie hinsichtlich der Sachbeschädigung wurde das Verfahren gegen den vorbestraften Angeklagten vorläufig eingestellt.

Im Fall der Nachbarin verurteilte ihn das Gericht wegen vorsätzlicher Körperverletzung zu einer sechsmonatigen Freiheitsstrafe. Die Strafe ist zu vier Jahren Bewährung ausgesetzt. Laut Bewährungsauflagen muss sich der 48-Jährige einem Gespräch bei der Drogenberatung unterziehen, ein Anti-Aggressionstraining absolvieren und 100 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten.

„Ich bin nicht so blöd und haue Mädchen und Omas um“, sagte der impulsive Angeklagte, der immer wieder beteuerte, er habe niemanden mit Absicht verletzt und die Frauen nur abgewehrt.

Während eines Treffens mit Freunden in seiner Wohnung sei die Bekannte erschienen, habe sich neben ihn auf die Couch gesetzt und ihn genervt. Daraufhin sei er aufgestanden, um sie abzuschütteln - und habe ihr dabei versehentlich eine Ohrfeige verpasst.

Die Nachbarin sei bei Dunkelheit wild mit den Armen fuchtelnd auf ihn zugekommen. Er habe nur die Hand hingehalten und sie sei bei Glatteis ausgeruscht. Mögliche Verletzungen könne sich die Frau auch bei einer gewalttätigen Auseinandersetzung mit ihrem Ehemann zugezogen haben. Sein Verhältnis zur 56-jährigen Nachbarin und ihrem Mann sei anfänglich gut gewesen. Vor etwa einem Jahr jedoch sei die Stimmung umgeschlagen. Seitdem er die Fensterscheibe zerschossen habe, versuche ihn sein Nachbar schlecht zu machen.

Auch der Vorfall mit der Scheibe sei ein Versehen gewesen, gab der 48-Jährige an. Mit der Softairwaffe eines Bekannten habe er morgens übermütig aus seinem Fenster drauflos geschossen, ohne zu ahnen, dass sich anstelle der Kunststoffmunition Metallkugeln in der Waffe befunden hätten. Die Waffe sei zuvor von mehreren Personen genutzt worden.

Die Bekannte des Angeklagten, die gegenüber der Polizei angegeben hatte, vom 48-Jährigen geschlagen worden zu sein, und ihr Lebensgefährte blieben der Verhandlung fern. Acht weitere Zeugen, Bekannte und Nachbarn des Angeklagten sowie zwei Polizeibeamte sagten vor Gericht aus.

Unter ihnen war auch die 56-jährige Geschädigte. Von der Auseinandersetzung mit dem Angeklagten sichtlich erschüttert, gab sie vor Gericht an, ihr Mann und sie hätten aufgrund einer nächtlichen Ruhestörung draußen nach dem Rechten sehen wollen.

Der Angeklagte habe sie auf ihrem Grundstück mit einem Schlag unters Kinn zu Boden befördert, getreten und mit den Füßen am Aufstehen gehindert. Sie habe Prellungen am Gesäß erlitten und durch den Angriff zwei Zähne verloren.

Sowohl der Staatsanwalt als auch der Richter sahen aufgrund der Zeugenaussagen im Fall der Nachbarin die Vorwürfe gegen den Angeklagten bestätigt. Dessen Anwalt plädierte auf fahrlässige Körperverletzung.

Von Kerstin Heist

Quelle: HNA

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