Der streitbare Theologe Eugen Drewermann war in der THS zu Gast

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Zum Privatvortrag in der Aulas der Homberger Theodor-Heuss-Schule: Eugen Drewermann, Kirchenkritiker und beeindruckender Redner, sprach vor den Abiturienten über Religion, Machtpolitik und die elementare Bedeutung des Individuums.

Homberg. Eugen Drewermann ist ein Mann, der üblicherweise große Säle füllt, wenn er einenVortrag hält.

Mittwoch sprach er, ganz außergewöhnlich, vor kleiner Kulisse zu Abiturienten und einigen Gästen der THS in Homberg über die Bedeutung der Religion, über Angst und Vertrauen, über Erfolgsorientierung und die Einzigartigkeit des Individuums.

Schüler des THS-Religionskurses hatten bei einer Veranstaltung an der Kasseler Universität zu ihm Kontakt aufgenommen und wurden mit dem Vortrag samt Fragestunde belohnt.

Drewermann kritisierte die Dominanz des nur am Nutzen, an der Leistung orientierten Denkens in der heutigen Welt und sagte zu Schülern und Lehrern: "Darum bin ich heute hierher gekommen, um auf die Gefahr hinzuweisen, wenn wir Kinder nur noch leistungsorientiert ausbilden."

Er ermutigte die jungen Leute, sich eigene Ziele zu setzen und ihren Träumen zu folgen. Nur wer sich selbst finde, werde engagiert und damit letztlich auch erfolgreich sein. "Ihr müsst eigene Fragen stellen und nach Antworten suchen", forderte er. Schon Schiller habe ein reines "Brotstudium" abgelehnt: Was dabei rauskomme, lebe nicht.

Drewermann, dessen umfassendes Wissen zu Philosophie, Ethik, Literatur und Naturwissenschaften in jeder Phase seines Vortrages deutlich wurde, hob die Bedeutung der Religion als Freiraum hervor. "Religion darf nicht nutzen", betonte er, es müsse schließlich Zonen geben, in denen nicht der Nutzen regiere. Die Frage müsse nicht lauten: Zu was bist du nutze, sondern: Was bist du für ein Mensch, was willst du, wie geht es dir?

Mit Bildern und Geschichten aus der Bibel, mit Beispielen aus Literatur und Philosophie belegte Drewermann seine These, dass der Konkurrenzdruck (im Alten Testament wetteifern Kain und Abel um die Liebe Gottes) letztlich zum üblen Ende führen werde, weil die Angst vorm Ausgestoßensein das Handeln dominiert.

Wichtig sei es, einen Menschen in seiner Verzweiflung zu akzeptieren, nicht moralisierend zu belehren; ihn auf seinem manchmal langen Prozess zu begleiten, seine eigene Identität zu finden. "Das Leben changiert zwischen Angst und Vertrauen", sagt Drewermann. Daraus resultiere schließlich alles.

Von Ulrike Lange-Michael

Quelle: HNA

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