Strickschülerin mit 87 Jahren: Ein Herrenstrumpf soll es werden

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Irene Batte beim Strümpfe stricken: Bald ist der zweite Strumpf fertig. Nur die Spitze fehlt noch.

Beiseförth. Hochkonzentriert sitzt Irene Batte in ihrem Sessel. Auf ihren Schoß ein Knäuel blaue Wolle, in ihren Händen dünne Stricknadeln. Sie ist ganz auf ihre Maschen konzentriert. Nur keine Masche verlieren, hofft sie.

Sie sitzt nah am Fenster, um das Tageslicht noch zu nutzen. Langsam nehmen die Maschen Formen an. Ein Herrenstrumpf soll es werden. Im September wird Irene Batte 88 Jahre alt, und sie ist immer noch gewillt, etwas dazu zu lernen, wie das Stricken von Strümpfen. „Ich kann nicht nur rumsitzen und nichts tun“, erzählt sie. „Ich lese viel und löse Rätsel, aber ich muss auch was mit den Händen machen“, fährt sie fort.

Seit über einem Jahr lebt die rüstige Beiseförtherin im Verein praktischer Lebenshilfe in Beiseförth. Dort fühlt sie sich wohl und freut sich, wenn sie ins Alltagsgeschehen des Hauses eingebunden wird, etwa in der Küche beim Bohnen oder Kartoffeln schneiden.

Vor zwei Wochen hat Irene Batte nun die Liebe zum Strümpfestricken entdeckt. Sigrid Giesen, die Heim- und Pflegedienstleiterin des Hauses, strickt viel und hat es ihr gezeigt.

Fix nahm die Strickschülerin selbst Stricknadeln und Wolle in die Hand und versuchte sich. „Am schwierigsten fand ich, die Ferse und Spitze zu stricken. Mit dem Bein hatte ich keine Probleme“, so die ehrgeizige Handarbeiterin.

Auf kleine Spickzettel hat sie sich die Anleitung zur Ferse und Spitze noch mal notiert, aber die Zettel braucht sie fast gar nicht mehr.

Die Leidenschaft zur Handarbeit hatte Irene Batte schon in jungen Jahren für sich entdeckt. Vom Besticken von Tischdecken (Hessenstickerei), Häkeln von Läufern und Topflappen bis hin zum Stricken von Pullovern. Doch eine Einweisung in das Strümpfestricken blieb ihr bis vor zwei Wochen verwehrt.

Irene Batte hat das Strickfieber nun gepackt. Mittlerweile stricke sie gut, die Maschen seien fest und gleichmäßig, erzählt sie stolz. Auch wenn ihr in der Dämmerung mal eine Masche verloren geht, ruht sie erst, wenn sie die Masche wieder aufgestrickt hat. Einen Strumpf hat sie nun schon fertig. Beim zweiten fehlt nur noch die Spitze und dann will sie ihr erstes gestricktes Paar Herrensocken verschenken.

Quelle: HNA

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