Tänzerin liebt ihren Beruf

Traumjob Stripperin: Sabrina K. will mit falschen Vorstellungen aufräumen

Schwalm-Eder. Striptease-Tänzerinnen trifft man nur in schummrigen Nachtlokalen? Stimmt nicht, verrät eine professionelle Stripperin aus dem Schwalm-Eder-Kreis. Die junge Frau erklärt, warum sie ihren Beruf liebt - und wie es kam, dass sie in einem Stück am Kasseler Staatstheater auftritt.

Sabrina K. war 18 Jahre alt, als sie beschloss, Stripperin zu werden. Für sie war und ist es ein Traumberuf - so wie andere junge Frauen davon träumen, Schauspielerin oder Sängerin zu werden.

„Ich bin damals in eine Disko gegangen, wo eine Tabledance-Veranstaltung stattfand. Als ich die Tänzer gesehen habe, wusste ich: Das will ich auch machen. Mich hat das fasziniert“, erinnert sich Sabrina K., die heute Anfang 30 ist und im Schwalm-Eder-Kreis lebt. Ihren vollen Namen und ihren genauen Wohnort möchte sie nicht in der Zeitung lesen.

Sabrina K. knüpfte Kontakte zu anderen Striptease-Tänzern - und fing an, für eine Agentur in Gudensberg zu arbeiten. Zwischendurch habe sie auch mal andere Jobs ausprobiert - etwa in einem Friseursalon. Doch es blieb dabei: Sie wollte Stripperin sein.

„Jeder, der in die Sauna geht, gibt mehr von seinem Körper preis.“

Was sie an ihrem Beruf so liebt? „Es macht mir Spaß, zu tanzen, auf der Bühne zu sein, im Mittelpunkt zu stehen“, erklärt sie. „Ich war von klein auf Animateurin, wollte als Kind schon in den Zirkus.“ Sie sei selbstbewusst, könne aber auch über sich selbst lachen - deshalb enthalten auch ihre Shows oft komödiantische Elemente. Und sie sei gern ihr eigener Chef: „Ich bestimme selbst, was ich anziehe, welche Musik ich auflege, wie lange ich tanze.“

In Tabledance-Bars arbeite sie schon seit Jahren nicht mehr. Stattdessen tritt sie zum Beispiel bei Firmenfeiern auf - und im Staatstheater Kassel. In der Komödie „Floh im Ohr“ steht sie als Stripperin auf der Bühne. „Ich bin sehr dankbar, dass ich das erleben darf“, sagt sie, „und ich bin stolz darauf.“ Das Theater hatte bei ihrer Agentur „Strip4Fun“ (https://strip4fun.net) nach einer Tänzerin gefragt, die im Stück auftreten könnte - so bekam Sabrina K. den Job. „Beim Auftritt im Staatstheater war ich zum ersten Mal seit Jahren wieder aufgeregt und hatte Lampenfieber“, sie. „Einfach, weil ich das so sehr wollte.“ Die Szene in dem Stück war für sie eine große Herausforderung, weil sie auf einer Treppe tanzen musste: „Das habe ich vorher noch nie gemacht.“ Sich auf den schmalen, hartkantigen Stufen zu bewegen, sei schwierig. Sie genieße die Zeit am Theater: „Es ist toll, wie die Leute dort zusammen arbeiten.“

Einen Zweitjob neben der Arbeit als Tänzerin braucht sie nicht, das Geld reicht zum Leben. Für einen 15-minütigen Auftritt bei einer Party zahlen Kunden etwa 150 Euro.

Traumjob Stripperin: Sabrina K. will mit Vorurteilen aufräumen

„Mich auf der Bühne auszuziehen, war nie ein Problem für mich“, sagt Sabrina K. Allerdings sehe man sie bei ihren Auftritten auch nie lange nackt. „Jeder, der in die Sauna geht, gibt mehr von seinem Körper preis.“ Ihr ist wichtig, falsche Vorstellungen über ihren Beruf zu korrigieren. „Ich bin Animationstänzerin, keine Prostituierte“, sagt sie. Schon der Begriff „Erotik-Tänzerin“, den manche verwenden, empfindet Sabrina K. als unpassend. „Ich mache keine Männer an.“ Professionell zu strippen sei eben auch mehr, als sich auszuziehen. Für ihren Traumberuf hat Sabrina K. immer hart gearbeitet. „Ich habe das Tanzen richtig gelernt und täglich trainiert“, sagt sie. Auch Akrobatik und Feuershow beherrscht sie.

Dass sie den Beruf nicht ewig ausüben kann, ist ihr bewusst. „Aber ich lebe heute, und ich weiß, dass es immer irgendwie weitergehen wird.“ Sie hat auch schon eine Idee für die Zukunft: eine eigene Strip-Agentur zu führen.

Von Judith Féaux de Lacroix

Quelle: HNA

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