Steigende Ökostrom-Abgabe belastet Mittelstand und kleine Betriebe

Strompreise drücken Unternehmen die Luft ab

Schwalm-Eder. Ein düsteres Bild malt Reinhard Bauer. Wenn die Abgabe pro Kilowattstunde Strom nächstes Jahr um knapp einen Cent auf 6,24 Cent steigen wird, geht es für seinen Betrieb ums Überleben. Allein am Standort Schwalmstadt beschäftigt der Folienhersteller Horn und Bauer 240 Mitarbeiter, davon 125 in der Produktion.

Bauer beklagt nicht nur die eigene Situation. Als Vorsitzender der Deutschen Industriefolienhersteller nimmt er für viele Mittelständler mit hohem Energiebedarf einen schnell wachsenden Nachteil wahr, der gravierende Folgen haben werde, wenn nicht gegengesteuert wird. Denn anders, als viele annehmen, ist kaum ein Betrieb von der EEG-Umlage (siehe Hintergrund) befreit. Im Schwalm-Eder-Kreis müssen einzig die Hühnerschlachterei in Gudensberg und die Kornhaus-Vertriebs GmbH in Altmorschen (HNA berichtete) diese Umlage nicht leisten.

Alle anderen der über 75 000 Betriebe in der Industrie- und Handelskammer Kassel-Marburg (IHK) zahlen. Auch für kleine Unternehmen bedeutet die Abgabe eine Bürde, Kreishandwerksmeister Frank Dittmar spricht von einer „massiven Zusatzbelastung“. Dittmar schlägt vor, dass Privatverbraucher und Firmen für einen Sockelverbrauch von beispielsweise 4000 Kilowattstunden von der Ökostromumlage entlastet werden.

Auch Dr. Gerold Kreuter von der IHK Kassel-Marburg weiß, dass die Strompreissteigerungen alle treffen. Er ist dafür, dass die gesamte Förderung grundsätzlich umgebaut wird – in Deutschland und in der EU. Das heiße keineswegs, dass man gegen die Energiewende sei, das Rad lasse sich nicht zurückdrehen, sagte Kreuter gegenüber der HNA. Wichtig sei es aber, die Übergangszeit bis zur vollständigen Umstellung des Energiesystems so zu gestalten, dass nicht Teile der Wirtschaft daran scheitern.  

Von Anne Quehl

Quelle: HNA

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