Anonyme Bewerbungen könnten helfen

Studie zu Karrierechancen: Frauen glauben, im Job gut aussehen zu müssen

Schwalm-Eder. Zwei Drittel der Arbeitnehmerinnen sind davon überzeugt, dass ihr Äußeres ihre Karrierechancen herauf- oder herabsetzt. Dies ergab eine Studie der bundesweiten Personalagentur jobs in time.

Gestützt werden die Ergebnisse durch eine Umfrage der Marplan Forschungsgesellschaft aus Offenbach, nach der die Hälfte der Deutschen überzeugt ist, dass nur gut aussehende Menschen eine Chance im Leben hätten.

Dass das tatsächlich so ist, bezweifelt Christel Thomas, Beauftragte für Chancengleichheit bei der Arbeitsagentur in Kassel. "Ich habe aber bei Treffen festgestellt, dass sich Frauen über ihr Aussehen viel mehr Gedanken machen und zweifeln."

Wichtig sei das Gesamtauftreten, sagt Trudi Michelsen vom Frauenbüro Schwalm-Eder in Homberg. Dazu gehörten aber eher ein gepflegtes Äußeres, gute Umgangsformen und soziale Kompetenz und eben nicht eine Optik wie ein Model. Zudem sei die fachliche Qualifikation bei Personalentscheidungen viel wichtiger.

Michelsen und Thomas befürworten deshalb auch das anonyme Bewerbungsverfahren, bei dem weder Foto noch Name bekannt sind. "Dann steht wirklich die Kompetenz im Vordergrund", sagt Michelsen. Beschwerden von Frauen, die sich wegen ihres Äußeren im Job diskriminiert fühlen, hat es bei ihr im Frauenbüro noch nicht gegeben.

Vor einigen Jahren allerdings gab es einen Fall, "da suchte doch tatsächlich jemand nach einer jungen, hübschen Arzthelferin". Gemeinsam mit ihren Kolleginnen der Frauenbüros anderer Landkreise wurde der Fall erörtert, ihre Hersfelder Kollegin Dr. Andrea Fink-Jacob habe schließlich die Antidiskriminierungsstelle in Berlin angeschrieben.

Laut Christel Thomas würde die Arbeitsagentur keine diskriminierenden Stellenanzeigen schalten. "Falls es doch mal vorkommt, wird der Arbeitgeber benachrichtigt, die Ausschreibung zu ändern."

Von Diana Rissmann und Heike Wagner

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Quelle: HNA

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