Hebammen rund um die Uhr bereit: 24 Stunden auf Abruf

 

Wolfhagen. Wenn ein neues Leben auf die Welt kommt, ist immer jemand da, 24 Stunden am Tag. Hebammen werden gebraucht, auch zur Weihnachtszeit, weiß Astrid Friedrich, die an der Kreisklinik Wolfhagen als Hebamme arbeitet.

„Letztes Jahr haben sich die Kinder an die Feiertage gehalten“, scherzt die 40-Jährige. „Wir hatten vier Neugeborene am 22. Dezember, zwei am 23. und erst am 28. Dezember kamen wieder zwei Kinder zur Welt.“ In diesem Jahr fallen drei errechnete Geburtstermine in die Zeit um die Feiertage. „Bis Jahresende werden es etwa 215 Kinder sein, die in diesem Jahr in Wolfhagen auf die Welt gekommen sind.“

Zwölf Stunden täglich ist die Station in der Klinik belegt, an Heiligabend vormittags. Und auch danach ist von den sechs meist freiberuflichen Hebammen immer jemand zu erreichen. So viel Einsatzbereitschaft hat Nachteile. „Oft habe ich keine Zeit, mit meinen eigenen Kindern etwas zu unternehmen“, sagt Friedrich. „Manchmal ist man 24 bis 30 Stunden auf den Beinen.“

Die Arbeit ist vielfältig: Hausbesuche, Betreuung von Schwangeren und Wöchnerinnen, Geburtsvorbereitung. Im März eröffnete auf dem Gelände der Wolfhager Kreisklinik außerdem eine Hebammenpraxis. Dort helfen die Hebammen bei Schwangerschaftsbeschwerden und kümmern sich abwechselnd mit den Ärzten um die Vorsorge.

„Keine Geburt verläuft wie die andere“, sagt Friedrich. Längst kommen nicht mehr alle Kinder im Kreißsaal zur Welt. Immer beliebter werden Entbindungen in Geburtswannen, erklärt die Hebamme. Viele Mütter empfänden die Geburt im warmen Wasser als sanfter.

Astrid Friedrich, deren Mutter auch Hebamme ist, kann sich keinen schöneren Beruf vorstellen. „Ich mache das seit 17 Jahren. Es ist immer wieder unheimlich schön, dieses kleine Menschenkind zu sehen.“

Doch immer mehr Hebammen geben ihren Beruf auf. Grund sei die Berufshaftpflichtversicherung. „Die wird von Jahr zu Jahr teurer, nächstes Jahr soll sie um 15 Prozent erhöht werden“, sagt Friedrich. „Man muss sich fragen: Wieviele Dienste kann ich machen, um die Kosten decken zu können?“ Das setze viele Hebammen unter Druck, viele stoßen an ihre Grenzen. „Irgendwann wird es nur noch große Geburtszentren geben“, befürchtet Friedrich.

Von Claudia Hempel

Quelle: HNA

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