Die Gäste des Jahresempfangs der Hephata Diakonie lauschten Flüchtlingsbericht

Auf der Suche nach Heimat

Spielte auf: das Duo Südwegen.

Treysa. Die Hephata-Diakonie hatte zu ihrem Jahresempfang geladen und mehr als 100 Gäste aus Kirche und Diakonie, Politik, Wirtschaft, Vereinen und Gesellschaft waren dieser Einladung gefolgt. Maik Dietrich-Gibhardt, theologischer Hephata-Direktor, spürte in seiner Begrüßung dem Jahresmotto „Mit Menschen aktiv - Heimat und Aufbruch“ nach und stellte den Begriff „Heimat“ in einen biblischen Zusammenhang. In den biblischen Erzählungen sei Heimat oft nicht selbstverständlich, sondern vorläufig, führte er aus.

Dagegen habe der Aufbruch in der Bibel einen besonderen Stellenwert. Landeskirchenrat Horst Rühl, Theologischer Vorstand der Diakonie Hessen, spitzte das in seinem Grußwort zur Verpflichtung zu: „Wir wollen, dass Menschen eine neue Heimat finden.“ Nicht hinter den Zäunen von Flüchtlingsunterkünften sollten sie wohnen, sondern „mittendrin in unseren Dörfern und Städten sollen sie Raum haben“, so Rühl.

Entgegen der bisherigen Tradition der Jahresempfänge Hephatas gab es keine Hauptrede, sondern ein Gespräch. Mezut Haile, 17 Jahre, und vor gut zwei Jahren aus ihrem Heimatland Eritrea geflohen, hielt eine kleine Ansprache in Tigrinya, einer der neun eritreischen Sprachen. Im Gespräch mit Henning Wienefeld, Fachberater Hephatas für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge, stellte sich heraus, das die junge Frau sehr gut deutsch sprach. Die Inszenierung machte die Hilflosigkeit, der Menschen ohne Sprachkenntnis in einem fremden Land schnell deutlich.

Mezut Haile erzählte von ihrer Flucht. In Eritrea drohte ihr die Zwangsverpflichtung zum Militär. Mezut gelang es, die schwer bewachte Grenze zu übertreten. Im Sudan half ihr ein Freund ihres verstorbenen Vaters und organisierte einen Flug nach Frankfurt. „Am Anfang dachte ich, ich werde deutsch nie verstehen“, erzählt sie, jetzt aber stehe sie kurz vor ihrer mittleren Reife. „Heimat ist für mich Mutterland“, sagt sie, deshalb wolle sie auf jeden Fall wieder dorthin zurück, falls sich die Situation in Eritrea verbessere. Die Gäste folgten hoch konzentriert dem Bericht der jungen Flüchtlingsfrau, die mit einer Aufenthaltsgenehmigung in Deutschland lebt.

Im Anschluss berichtete Sebastian Christ, Autor und Journalist, von seiner Reise quer durch Deutschland auf der Suche nach Heimat. Der gebürtige Frankenberger hatte sich zu einem bewussten Fußweg quer durch Deutschland entschieden und zeigte Bilder eines spröden Landes mitten im Winter.

Den musikalischen Rahmen gestaltete das Duo „Südwegen - Wege des Südens“. Jean Kleeb, Klavier, und Sven Demandt, Rahmentrommel und Percussions, präsentierten selbst komponierte World Music mit melancholischen Tönen wie auch euphorischen Höhenflügen.

Von Christiane Decker

Quelle: HNA

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