Gudensberg wird Filmschauplatz

Junge Regisseurin auf der Suche nach dem richtigem Dreh

+
Szene im Kommissariat (Foto oben): von links Peter Schröck, Susann Spriestersbach (Assistenz), Lena Michael (Polizeichefin), Harald Göbel (Kommissar), Robin Siegle (Ton), von hinten Nadine Knauer.Sie führte Regie, schrieb das Drehbuch und spielte mit (rechts oben): Nadine Knauer.Außendrehs bei jedem Wetter (rechts): Dafür wurden sogar Straßen gesperrt. In der Szene Mario Schönewald (links) als Zuhälter und Peter Schröck als Kommissar. alle Fotos: Karl-Heinz Mierke/nh

Gudensberg/Deute. Die letzte Klappe ist gefallen, die Szenen sind alle im Kasten, und Gudensberg hat seinen ersten eigenen Krimi. 24 Amateurschauspieler und weitere Helfer machten mit bei „Deute ermittelt - Mord auf dem Strich", dem ersten Film von Nadine Knauer.

Die 20-Jährige aus Deute, die 2013 ihr Abitur an der KHS Fritzlar ablegte, kennt nur ein Ziel: Sie will Filmregie studieren. Um sich für einen der raren Studienplätze in Deutschland bewerben zu können, muss man unter anderem einen selbst gedrehten Film einreichen. Der liegt jetzt vor.

Ohne die Unterstützung der Familie, von Freunden und den Theaterleuten des Vereins wäre das nicht möglich gewesen. Ungezählte Stunden ihrer Freizeit haben alle eingebracht seit dem 16. Oktober. Damals wurden die ersten Szene gedreht, in der alten Schule in Deute, mit Equipment und Technik, die alles andere als professionell sind.

„Das Drehbuch für die Geschichte, der Mord an einer Prostituierten und die Polizeiermittlungen, hatte ich schon länger geschrieben“, erzählt Nadine. Dann habe sie nach Schauspielern gesucht, die zu den Rollen passen, und die exakten Drehpläne vorbereitet. Minutiös.

Kontakt mit Rainer Hunold

Wie so etwas geht, hatte sie bei einem sechswöchigen Praktikum im August/September 2013 bei der Produktionsfirma Odeon-TV in Wiesbaden erfahren: Dort arbeitete sie mit beim Dreh für die Serie „Der Staatsanwalt“ mit Rainer Hunold, die im ZDF läuft. Erst habe sie nur Kaffee kochen müssen, dann aber viele Einblicke in die Abläufe bei einer Filmproduktion erhalten.

Das Bewerbungsvideo von Nadine Knauer gibt es auf YouTube zu sehen.

Dass sie an den 16 Drehtagen, die manchmal länger als zwölf Stunden dauerten, ihren Akteuren und Helfern einiges abverlangte, weiß die 20-Jährige. Immer wieder holte Susann Spriestersbach als Assistentin die Klappe hervor, wenn eine neue Szene gedreht und wiederholt werden musste. „Ich hatte keine Ahnung, dass es so aufwändig ist, einen Film zu drehen“, sagte auch Lena Michael, die in dem Streifen die Polizeichefin spielt.

Der eigentliche Film entsteht aus den vielen Szenen und Einstellungen, aus Ton und Musik erst beim Schnitt, wenn alles zusammengefügt wird. Mit dem ersten Ergebnis, dem etwa zehnminütigen Bewerbungsfilm, ist Nadine Knauer zufrieden.

„Wir sind alle keine Profis, aber ich bin richtig beeindruckt von dem, was dabei rausgekommen ist“, sagt sie. Der Film sei das Ergebnis von Teamarbeit, besonders wichtig sei jedoch Karl-Heinz Mierke als Kameramann gewesen. „Ohne ihn hätte es nicht funktioniert“, sagt sie.

Die akribische Arbeit am Film sei nötig, weil das Ergebnis gut sein müsse: „Es muss einfach überzeugen, sonst habe ich keine Chance“, sagt sie mit Blick auf die nur 15 Studenten, die etwa an ihrer Wunsch-Uni in Potsdam im Fach Filmregie pro Jahr angenommen werden.

Sollte es nicht klappen, will sich die ehrgeizige 20-Jährige trotzdem nicht von ihren Plänen abbringen lassen. „Ich will Filme drehen, die die Menschen emotional ansprechen“, sagt sie. Wenn’s anders nicht geht, dann eben ohne ein Studium vorher.

Von Ulrike Lange-Michael

Quelle: HNA

Kommentare