Von Weide in Dickershausen

Suche nach verirrtem Kalb: Jungrind büxte nach Stromschlag aus

Dickershausen. Ein Kalb hält derzeit Landwirt Ralf Arend aus Dickershausen in Atem. Das gerade einmal sechs Monate junge Simmenthaler Rind ist von einer seiner Weiden geflohen.

Seit Sonntag fehlt von dem Tier jede Spur. Jetzt hofft Arend mit Hilfe unserer Zeitung auf Unterstützung aus der Bevölkerung.

Beim Umtreiben der Herde von einer Wiese auf eine naheliegende andere Weidefläche sei das passiert, erzählt Arend. Dabei sei das Kalb an den Weidezaunapparat gekommen, habe einen Stromschlag erhalten und sich so erschreckt, dass es gleich darauf erneut - an einer anderen Stelle - wieder gegen den Stromzaun lief.

„Das Kalb ist nicht gefährlich, es tut nichts. Es könnte aber für Autofahrer gefährlich werden.“

Danach sei das Tier offenbar verwirrt und verunsichert gewesen, sagt Arend. Denn statt seinem natürlichen Instinkt zu folgen und bei dem Muttertier zu bleiben, ist es über zwei weitere Elektrozonen hinweg entwischt. In Freiheit angekommen, sei es dann gemächlich in ein Rapsfeld gelaufen und zwischen den hohen Pflanzen verschwunden.

Jungrind ausgebüxt: Ralf Arend mit dem Muttertier (Mitte) auf der Weide. Am Samstag ist das Jungtier von der Weide ausgerissen. Foto: Schürgels

Mit einer Drohne habe man das Gebiet dann überflogen und das braun-weiß gefleckte Tier schlafend im Feld entdeckt. Alle Versuche, das Fleckvieh vorsichtig durch den etwa 1,40 Meter hohen Raps zurückzutreiben, misslangen. „Das Kalb geht mir gerade mal bis zum Bauchnabel“, sagt der Landwirt. Hätte Ralf Arend zu diesem Zeitpunkt wetten sollen, hätte er sehr viel darauf gesetzt, dass das Kalb den Rufen der Mutterkuh folgt und spätestens am Abend zurück zur Weide kommt. „Ich hätte verloren“, sagt Arend. Denn am nächsten Morgen fehlte von dem Jungtier jede Spur. „Die Mutter ruft weiter nach ihm, doch es kommt einfach nicht zurück“, sagt Arend und ist ratlos. „Es hat einfach Tschüssikovski gesagt.“ Das sei ungewöhnlich, denn eigentlich seien Kälber auf die Mütter geprägt.

Um das Tier macht sich Arend keine großen Sorgen, es finde auf den Feldern und im Wald ausreichend Nahrung und könne an den Bächen trinken. Vielleicht würde es etwas an Gewicht verlieren, vermutet er. Dass es nun alleine und nicht in einer Herde lebe, sei eine Umstellung. Doch lebensbedrohlich sei das alles nicht.

Allerdings könne das entlaufene Tier gefährlich für Autofahrer werden: Wenn es zum Beispiel plötzlich auf die Straße laufen würde, „die Autobahn 7 ist nur wenige Kilometer entfernt.“ Deshalb hat Arend auch die Polizei und die örtlichen Landwirte informiert. Und mehrmals am Tag sucht er mit Helfern nach dem Kalb - bislang ohne Erfolg.

Kuh-Suche: Was ist zu tun?  

Das Kalb kenne Menschen und sei ganz sicher nicht bösartig, sagt Landwirt Ralf Arend. Wer es entdeckt, sollte dennoch Abstand halten, um es nicht zu verschrecken. Nach Möglichkeit solle man ihn informieren, so Arend. Auch die Polizei nehme Hinweise entgegen, sagt Volker Schulz, Sprecher der Polizeidirektion Schwalm-Eder. Kontakt: Ralf Arend, Tel.: 05681/2767 oder die Polizei in Homberg: 05681/7740.

Viele Rindviecher, ein Känguru 

• Zuletzt sorgte im Dezember ein 900 Kilogramm schwerer Bulle für Schlagzeilen, der bei Espenau ausgebüxt war und auf der Bundesstraße 83 von Polizisten erschossen wurde.

Bereits im Juli 2015 entliefen im Edertal Rinder, die seitdem in freier Wildbahn leben, weil sie nicht eingefangen werden konnten. Mehrere Versuche, die Tiere anzulocken - unter anderem mit handzahmen Kühen als Lockvögeln - misslangen.

• Auch im Schwalm-Eder-Kreis gab es bereits Rinder auf der Flucht. Besonders spektakulär: 2012 waren drei Rindviecher bei Wabern abgehauen und hielten sich entlang der B254 auf.

• In Bayern gab es 2012 die Problemkuh Yvonne. Sie war Wochen in der Wildnis unterwegs und ließ sich partout nicht einfangen. Die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ titelte „Die Kuh, die ein Reh sein will“.

• Ein Reh wollte 2014 offenbar auch Känguru Karlchen sein, das Tier floh aus seinem Gehege in Metze und war mehrere Tage verschwunden - letztlich wurde es eingefangen.

Quelle: HNA

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