Kampf gegen den Alkohol: Wenn Bier den Schmerz des Alltags lindert – ein Porträt

Sucht kostete Oli den Job

Vergangenheit: Bier rührt Oli heute nicht mehr an. Manchmal trank er einen Kasten an einem Wochenende. Hilfe fand Oli schließlich bei der Suchtberatung des Diakonischen Werks Hofgeismar-Wolfhagen. Foto: Norbert Müller

Wolfhager Land. Motorsport ist seine große Leidenschaft. Früher ist er sogar selbst Rennen gefahren. Stockcar-Rennen, bei denen das Zuschrottfahren der Boliden wichtiger ist als der eigentliche Zieleinlauf. Doch heute sind solche Rennen in Deutschland verboten. Viel schlimmer als dieses Verbot traf es den Autofan, als er vor knapp einem Jahr wegen des Alkohols zum zweiten Mal seinen Führerschein und somit auch seinen Job verlor. Oli war Fernfahrer.

Die harten Sachen hat er nie angerührt. Oli trank gerne Bier. Mal zwei, mal vier, mal zehn Flaschen, wenn er von der Arbeit nach Hause kam. Dabei konnte er gut abschalten, die Sorgen des Alltags vergessen.

Besonders viel zu vergessen hatte Oli, als vor gut zwei Jahren seine Frau für längere Zeit ins Krankenhaus kam. Die Einsamkeit, das ständige Pendeln zwischen dem Krankenhaus, der Arbeit und seinem Zuhause, zerrte an den Nerven.

Schon seit seiner Jugend trank Oli gern. Bei Festen oder im gemütlichen Kreis mit Freunden – der Alkohol gehörte für ihn dazu, war Bindemittel zwischen ihm und seinem sozialen Umfeld. Oli merkte, dass er irgendwann die Kontrolle über das Trinken verlor, als es seiner Frau schlecht ging. Die Kraft, etwas zu verändern, hatte er allerdings nicht.

Erst als er mit Restalkohol im Blut am Steuer seines Lasters erwischt wurde und mit einem Schlag den Führerschein und seinen Job los war, beschloss er, etwas zu ändern.

Ende der Versuchung

Die Versuchung musste beseitigt werden. Oli schaffte die Bierkisten aus seiner Reichweite. Wenn nichts da war, konnte er auch nichts trinken. Außerdem suchte er Hilfe bei der Suchtberatung des Diakonischen Werks Hofgeismar- Wolfhagen. Mit Erfolg: Seit September 2011 ist Oli trocken.

Dass es ohne Alkohol geht, weiß er. Oli ist schon mal ganze sieben Jahre ohne einen Tropfen ausgekommen. Ob er es diesmal wirklich packt, kann er nicht versprechen. Zurzeit gibt es zuhause ein wenig Ärger. Eigentlich möchte Oli nicht darüber sprechen, doch es sieht so aus, als ob seine Frau seinen Platz einnimmt. „Sie sagt, sie trinkt, weil es ihr so gut schmeckt“, erzählt er. Das belastet Oli. „In meinem Haus hat Alkohol nichts mehr zu suchen“, sagt er.

Erholung am Bodensee

Die Kraft, solche Probleme zu überwinden, schöpft Oli heute aus anderen Quellen als dem Alkohol. Seine Enkel halten ihn ganz schön auf Trapp. Beim Spazieren oder Radfahren ordnet er seine Gedanken neu.

In wenigen Tagen entscheidet sich, ob er seinen Führerschein wieder bekommt. Dann will Oli wieder Geld verdienen – und endlich mal wieder in den Urlaub fahren. Am Bodensee, so sagt er, könne er am besten entspannen.

Von Juri Auel

Quelle: HNA

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