Sven Borg strampelt mit Fahrrad um die Welt

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Sein Zuhause zieht er hinter sich her: Der Schwede Sven Borg reist mit seinem Fahrrad quer durch die Kontinente. Das Feldbett fährt im Anhänger mit.

Melsungen. Seine Heimat ist überall, und doch bleibt er nirgendwo. Sven Borg ist 62 Jahre alt, hat neun Schrauben im Fuß und strampelt seit elf Jahren auf zwei Rädern um die Welt. Der Mann, der sich den letzten Weltenbummler nennt, kennt die staubigen Straßen Indiens, die Weiten Kanadas und die blauen Berge Australiens.

Er kennt aber auch die Melsunger Buchhandlung an der Straßenecke, die Bartenwetzer-Figur und einen Melsunger Polizeikommissar, den er bei seinem Besuch vor drei Jahren traf. „Beim nächsten Mal, hat er gesagt, trägt er einen Stern mehr auf der Schulter“, sagt der zottelige Mann, der im schwedischen Lappland geboren ist.

„Ich bin durch die Welt gerast. Jetzt bummele ich.“

Heute, drei Jahre später, ist nächstes Mal. „Heute kontrolliere ich, ob der Kommissar sein Versprechen gehalten hat“, sagt er. Zum dritten Mal schiebt er sein Fahrrad durch Melsungen, er hat schon viele Städte gesehen, doch diese findet er wunderschön.

Borg ist ein Abenteurer in Trekkingkleidung. Die Nacht hat er im Garten einer Melsunger Familie verbracht, er raucht Zigaretten ohne Filter und wäscht sich in den Flüssen der Welt, manchmal auch in Gemeinschaftsduschen von Sportlerheimen.

Sein Zuhause zieht er im Anhänger hinter sich her: Ein Feldbett, zwei Schlafsäcke, einen Kompass zur Orientierung und Pfefferspray gegen wilde Tiere – „mehr brauche ich nicht“.

Geld hat er gerade so viel, dass es zum Leben reicht. Borg bekommt eine kleine Rente, manchmal fragt er Journalisten oder Verkäufer nach einer kleinen Spende.

Wenn er müde ist, hält der 62-Jährige an und klappt sein Bett aus. Am Morgen klappt er es wieder zusammen. Viel zu stark ist der Drang, wieder in den Sattel zu steigen und weiterzufahren. Er sagt, das Reisen liege ihm im Blut. In seinem ersten Leben restaurierte er Kirchen in aller Welt. „Ich bin durch die Welt gerast“, sagt er. Dann stürzte er vom Kirchengerüst: „Plötzlich war Schluss - Halleluja“. Drei Monate lag er im Koma.

In seinem zweiten Leben beschloss er, nur noch durch die Welt zu bummeln. Weihnachten will er in Chile sein.

Aber erstmal folgt Sven Borg dem Lauf der Fulda. Leben heißt für ihn, am Abend nicht zu wissen, wen man am nächsten Morgen trifft. Er braucht keine Bleibe, keinen Wohnsitz, keine Anschrift. „Ich bin nicht wie sie“, sagt er und deutet auf die Passanten in der Melsunger Innenstadt, „ich will frei sein.“

Quelle: HNA

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