Sascha Eigner, Gitarrist von Jupiter Jones, im HNA-Interview

„In Svens Haut möchte ich nicht stecken“

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Jupiter Jones sind voller Vorfreude auf ihr Wolfhager Live-Debüt in neuer Besetzung: (von links) Andreas Becker, Sascha Eigner, Sven Lauer und Marco Hontheim. Foto: Privat

Wolfhagen. Mit ihrem neuen Sänger Sven Lauer gibt die Erfolgsband Jupiter Jones am Mittwoch, 4. Juni, um 20 Uhr ihr Live-Debüt in neuer Besetzung auf der Bühne des Wolfhager Kulturzeltes.

HNA-Mitarbeiter Sascha Hoffmann hat mit Gitarrist und Band-Chef Sascha Eigner über den Neuanfang gesprochen.

Eigentlich sah im vergangenen Jahr alles ziemlich gut aus für Jupiter Jones, die Band, die 2011 mit „Still“ einen Megahit landete. Das fünfte Studioalbum „Das Gegenteil von Allem“ sprang von Null auf Platz fünf in die Charts, die Single „Rennen + Stolpern“ lief auf Höchstrotation.

Doch dann kam alles anders als geplant: Die Musiker aus der Eifel sagte ihre geplante Tournee ab, vergangene Woche dann der Ausstieg von Sänger Nicholas Müller. Eine Angsterkrankung zwang den 32-Jährigen zu diesem Schritt - doch es soll weitergehen.

Aufregende Zeiten im Hause Jupiter Jones, oder? 

Sascha Eigner: Das kann man wohl sagen. Da sind plötzlich ganz viele Dinge, die erledigt werden müssen. Aber auch ganz viele Ziele, die wir vor Augen haben, Dinge, auf die wir uns freuen.

War es ein langer Prozess, sich von Nicholas zu trennen? 

Eigner: Naja, zunächst einmal war es seine Entscheidung, nicht unsere. Wir haben uns mit ihm und seiner Therapeutin getroffen, wobei schnell herauskam, dass er nicht mehr kann und auch nicht möchte. Das war für uns ein riesiger Schock. Wie geht es weiter? Kann es überhaupt weitergehen? Tausend Sachen gehen einem da durch den Kopf. Als ich dann aber eine befreundete Band backstage in der Hamburger Prinzenbar besucht habe, habe ich schnell gemerkt, dass es genau das ist, worauf ich Lust habe. Ich habe Bock, Konzerte zu spielen. Ich habe Bock, backstage mit meinen Freunden rumzuhängen. Mir war klar: Ich will weitermachen.

Eine Band steht und fällt nicht selten mit ihrem Frontmann. Haben Sie sich darüber auch Gedanken gemacht?

Eigner: Natürlich, Medien und Publikum sind immer sehr auf die Frontfigur fixiert. Wir haben in den vergangenen Jahren aber auch immer sehr viel Wert darauf gelegt, als Band wahrgenommen zu werden, weil wir einfach eine sind und nicht nur Frontmann plus Beiwerk. Auch intern war es immer so, dass nicht der Sänger treibende Kraft war, sondern andere. Deshalb war es für uns auch klar, dass wir die Band nicht auflösen müssen, denn es ist noch alles da, was einen großen Teil von Jupiter Jones ausmacht. Wir haben noch so viele Ideen und Visionen, deswegen wollen wir als Jupiter Jones weitermachen.

Hatten Sie Angst vor den Reaktionen? 

Eigner: Klar, natürlich! Angst ist aber vielleicht nicht das richtige Wort, auf jeden Fall hatten wir großen Respekt davor, was die Menschen wohl sagen würden. Wir waren unendlich happy, dass 95 Prozent unserer Fans positiv auf die Entscheidung reagiert haben und dem Neuen und somit auch uns als Band eine Chance geben wollen. Das fühlt sich gerade für uns unglaublich gut an.

Ist es für Sie auch so etwas wie ein befreiender Schritt in die Zukunft, eine Angsterkrankung eines Menschen kann ja auch etwas Erdrückendes für das Umfeld sein? 

Eigner: Auf jeden Fall. Natürlich ist es in erster Linie für den Betroffenen schlimm, aber wir alle haben das seit 2006 mitgemacht, mussten ihn immer irgendwie in Watte packen und von allem Stress fernhalten, was in der Position eines Sängers und Frontmannes natürlich besonders schwierig ist. Wir haben das aber ganz gut hinbekommen, auch wenn es für uns alle sehr anstrengend war.

Ziehen Sie selbst für sich aus der Situation irgendwelche Konsequenzen, gehen Sie jetzt anders mit dem stressigen Musikgeschäft um?

Eigner: Für mich und die anderen ist und war das nie ein Problem. Klar, es ist oft stressig, aber wir haben den angenehmsten Job der Welt. Ich darf machen, was ich will, und das mache ich mit großer Freude.

Künftig wieder mit etwas mehr Freude? 

Eigner: Auf jeden Fall. Man merkt schon jetzt ganz krass, dass sich die Stimmung innerhalb der Band sehr verändert hat. Spielfreude und Spaß an der Sache sind seit Svens Einstieg zurückgekehrt. Wir können es gar nicht abwarten, endlich wieder befreit und mit extrem viel Spielfreude auf der Bühne zu stehen. Alles fühlt sich ganz extrem nach Aufbruch an.

Und diese Aufbruchstimmung teilen Sie erstmals mit Ihren Fans in Wolfhagen, der ersten Show mit neuem Frontmann. Wie klingen denn die alten Songs mit neuer Stimme? 

Eigner: Sven hat natürlich eine ganz andere Stimme als Nicholas, was von uns aber auch so gewollt war. Sven war unser Wunschkandidat, einen Plan B hatten wir gar nicht. Nachdem wir die ersten Songs zusammen gespielt hatten, hat sich alles sehr schnell angefühlt, als wäre es so genau richtig.

Also werden Sie in Wolfhagen ganz entspannt auf die Bühne gehen? Kein bisschen aufgeregt?

Eigner: Oh doch. Klar, total aufgeregt. Als alte Band sind wir zwar ein eingespieltes Team, aufgeregt werden wir trotzdem sein und in Svens Haut möchte ich nicht stecken. Wir versuchen, ihm so gut es geht zur Seite zu stehen und ihn in unsere Bandarme zu nehmen, aber er hat gehörige Angst und Respekt vor der Reaktion des Publikums.

Von Sascha Hoffmann

Quelle: HNA

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