Wo bleibt der Respekt?

Täter stahlen Weihnachtsbaum am Gedenkkreuz für Unfalltoten

Niederurff. "Das ist einfach ein Unding." Antje Schneider ist erbost. Als sie an der Stelle vorbei fuhr, wo ihr Freund Carsten im September tödlich verunglückte, traute sie ihren Augen nicht.

Der kleine Weihnachtsbaum, den die Oma des Verstorbenen dort vor ein paar Tagen neben das Kreuz gestellt hatte, war weg.

"Wie tief muss man sinken, um so etwas zu tun und das Andenken an einen Menschen zu schänden," sagt die 39-Jährige. Die Oma des Jungen hatte für die Gedenkstelle einen Mini-Weihnachtsbaum besorgt und ihn sogar mit kleinen Lichtern bestückt. Der Junge habe sich an Weihnachten immer sehr über die Dekoration gefreut.

"Die Familie ist immer noch verstört wegen des plötzlichen Todes des Jungen. Und dann so etwas", sagt die Freundin. Es sei so ein furchtbares Unglück gewesen. Der 16-Jährige aus Gilsa war im September mit seinem Moped auf der Heimfahrt von der Schule in Oberurff in Richtung Niederurff nach Gilsa unterwegs gewesen, als das Unglück geschah. In einer der engen Kurven der Kreisstraße kam er vermutlich von der Fahrbahn ab und prallte mit einem Auto zusammen, sagt sie.

Er habe dabei so schlimme Verletzungen erlitten, dass er sofort starb. Das sei für alle ein großer Schock gewesen, erzählt die Freundin.

Die Oma hätte zu Hause mit dem Essen auf ihn gewartet, als sie davon erfuhr, und die Familie fuhr sofort zur Unfallstelle. "Alle waren so geschockt." Der Jugendliche sei sehr beliebt gewesen. "Er war so anders, immer hilfsbereit, freundlich und offen. Alle vermissen ihn sehr", sagt sie.

Das kleine Holzkreuz an der Unfallstelle ist liebevoll mit Lichtern und kleinen Steinen bestückt, auf denen Trauernde ihre Namen geschrieben haben.

Die Versicherungskauffrau empfindet den Diebstahl des Baumes als einen Affront. Es sei ein Unding, wenn Menschen sich so herablassen. "Wo bleibt da der Respekt?"

In diesen Tagen wurde die Bankette an der Kreisstraße ausgebessert. Die Straße dient zurzeit als Umleitung und wird viel befahren. Die Bad Zwestener haben eine Resolution an das Hessische Verkehrsministeriums geschrieben und wollen eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf 50 Stundenkilometer in der Kurve durchsetzen.

Antje Schneider glaubt, dass der Unfall vielleicht hätte vermieden werden können, wenn dies schon damals geschehen wäre. Die Straße sei als Umleitung einfach nicht geeignet, meint sie.

Von Christine Thiery

Quelle: HNA

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