Michalak steht nun an der Spitze

IG BAU tagte in Melsungen: Bezirksvorsitzender Helmut Ruckert verabschiedet

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Abschied und Neubeginn bei der IG Bau: Helmut Ruckert (2. von rechts) wurde als Bezirksvorsitzender der IG BAU Nordhessen vom Bundesvorsitzenden Robert Feiger (Mitte, leicht verdeckt) verabschiedet. Auch Albert Adler (2. von links) verließ den Vorstand. Nachfolger von Ruckert ist Klaus Michalak (ganz rechts). Brigitte Adler (links) und Elke Ruckert erhielten Blumen.

Schwalm-Eder. Die ins Stocken geratene Tarifverhandlung für das Baugewerbe war das zentrale Thema beim Bezirksverbandstag der IG Bauen, Agrar und Umwelt (IG BAU). Er fand am Samstag in der Melsunger Stadthalle statt.

Zu Gast war auch Bundesvorsitzender Robert Feiger. Er gab ein Stimmungsbild und stellte die Kernforderungen der Gewerkschaft für eine faire Arbeit vor. Dazu zählen die Erhöhung von Lohn oder Gehalt, höhere Ausbildungsvergütung, die Übernahme der Ausbildungskosten, die Angleichung der Osteinkommen, ein höheres Verpflegungs- und Kilometergeld bei Auswärtsbeschäftigung und eine Betriebsrente für alle. Das alles seien unabdingbare Voraussetzungen für eine faire Arbeit am Bau. Keine Einigung in Sicht Nachdem die Tarifverhandlungen in der dritten Runde gescheitert waren, hoffe er auf eine Einigung bei der im Mai anstehenden vierten Verhandlungsrunde. Doch davon, gab Robert Feiger offen zu, seien beide Seiten noch weit entfernt.

Die Gewerkschaft hatte ein Gesamtplus von 7 Prozent gefordert. Das Angebot der Arbeitgeberseite sehe eine extrem lange Laufzeit von 30 Monaten vor, rechnete Feier vor. Damit reduziere sich die vorgeschlagene Lohnerhöhung auf 1,6 Prozent im ersten Jahr und im zweiten Schritt auf nur noch 1,4 Prozent für sogar 18 Monate. Das sei eine Provokation, sagte Feiger, denn das gleiche nicht einmal die Inflation aus.

Auch beim Thema Ausbildungskosten müsse man sich fragen, ob die Arbeitgeber überhaupt wollten, dass sich junge Menschen für einen Beruf am Bau entscheiden. Im Punkt Rente könne man zwar den Erfolg der Rente ab 63 ohne Abzüge verzeichnen, doch es gebe noch immer zu viele Ausnahmen. „Es muss der Grundsatz gelten: Wer ein Leben lang gearbeitet hat, der muss von seiner Rente auch gut leben können“, so Feigers Fazit. Seine weiteren Themen waren das Festsetzen und Ausweiten des gesetzlichen Mindestlohns, faire Arbeit und fairer Umgang bei Leiharbeit, eine bessere Reglementierung von Minijobs und die Bedeutung der bevorstehenden Europawahl. „Es ist wichtig, dass wir an diesen Wahlen teilnehmen“, erklärte Feiger. Europa müsse solidarisch und gerecht gestaltet werden, es dürfe nicht zu einem Unterbietungswettbewerb und zu Sozialdumping kommen. All diese Themen stünden für die nächsten Jahre unter dem Oberbegriff „Faire Arbeit“ auf den Fahnen der IG BAU.

Bei der Tagung in Melsungen ging es um den Lohn von 1320 Bauarbeitern im Schwalm-Eder-Kreis. In der Stadt Kassel sind 2120 und im Landkreis Kassel 1400 Menschen am Bau beschäftigt, teilt die IG Bau in einer Pressemitteilung mit. In ganz Nordhessen seien von den Tarifverhandlungen 10 250 Bauarbeiter betroffen. (bra)

Wechsel an der Spitze

Die Rede des Bundesvorsitzenden der IG BAU war nicht das einzige große Ereignis bei deren Tagung in der Melsunger Stadthalle. Auf der Tagesordnung stand auch die Verabschiedung des Bezirksvorsitzenden Helmut Ruckert. Er stand fünf Jahre an der Spitze der Nordhessischen IG BAU und war auch zuvor bereits viele Jahre im Vorstand tätig. Ruckert hatte sein Amt aus gesundheitlichen Gründen abgeben müssen, teilt die IG Bau mit. Sein Nachfolger ist Klaus Michalak, dessen Stellvertreter ist Roland Temme. Für die Verdienste um die IG BAU erhielt Helmut Ruckert eine besondere Würdigung: Bundesvorsitzender Robert Feiger verlieh ihm die Hans-Böckler-Medaille, die höchste Ehrung einer Gewerkschaft, die auch nur zwei Mal jährlich vergeben wird.

Verabschiedet wurde auch Albert Adler, der ebenfalls aus dem Vorstand ausschied. Dafür gibt es nun zwei neue Gesichter in den Vorstandsreihen: Sonja Heideloff und Jörg Riepel. (zen)

Quelle: HNA

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