Buch über den Begründer der Estlandhilfe, Burchard Lieberg

Erstes Buch von Pfarrer Schümers: Talarknöpfe im Konfekt

Ein Buch auf Deutsch und Estnisch: Pfarrer Michael Schümers hat ein Buch über den deutsch-estnischen Theologen Burchard Lieberg geschrieben. Foto: Feser

Landefeld. „Ein Abenteurer Gottes“ hat Michael Schümers sein erstes Buch genannt. Der Mann, den er damit beschreibt, hat mit Stoff überzogene Talarknöpfe in einer Konfektdose durch den Eisernen Vorhang geschmuggelt und im Ostfriesennerz eingenähte Neue Testamente nach Estland gebracht. Dieser Abenteurer Gottes war Pfarrer Burchard Lieberg.

Buchautor Schümers ist nicht nur Pfarrer im Landetal und in Spangenberg, sondern auch Probst im Ehrenamt für die estnischen Christen in Deutschland und damit Nachfolger von Burchard Lieberg. Kurz vor Liebergs Tod im Oktober 2003 ist Schümers dem Pfarrer mehrfach begegnet. Dieser hat zuletzt in Kassel gelebt und gearbeitet.

Dessen Mut und Gottvertrauen haben Schümers beeindruckt. Und wohl auch viele Esten, denn immer, wenn Schümers in Estland ist, begegnet er Menschen, die Lieberg kannten. So entstand die Idee, zum 100. Geburtstag ein Buch über den Theologen zu schreiben. Es ist eine Spurensuche, in der Freunde, Familie und Wegbegleiter Liebergs zu Wort kommen. „Wir haben ein Puzzle zusammengesetzt“, sagt Michael Schümers, der das Buch zusammen mit dem estnischen Pfarrer Tiit Salumäe geschrieben hat.

Das Buch zeichnet das Leben eines Mannes nach, der seinen Glauben und die Liebe zu seiner estnischen Heimat auch in politisch schwierigen Zeiten lebte. Burchard Lieberg gründete die Partnerschaft zwischen der Estnischen Evangelisch-Lutherischen Kirche und der Landeskirche Kurhessen-Waldeck. Er gründete die Estlandhilfe. Und er gründete 1971 den Andreaskreis, der Christen in der ganzen Sowjetunion half – im Geheimen.

Elektroorgeln und Traktoren

Als in den 1970er-Jahren Gruppenreisen in die UdSSR möglich waren, begleitete er diese als Reiseführer. Dabei stattete Lieberg nicht nur estnische Christen mit theologischen Schriften aus, sondern kaufte Autos für die bessere Betreuung der Gemeinden, besorgte vielen Chören Elektroorgeln und schickte beispielsweise allen 40 Mitgliedern des Kinderchores der Talliner Johannesgemeinde gleichartige Schuhe für ihre Auftritte. Später, nach der Wende, besorgte Lieberg Geld für die Renovierung der Kirchen und Pfarrhäuser, aber auch 60 Traktoren und 200 weitere Landmaschinen sowie medizinisches Inventar für die Krankenhäuser.

Im Alter von 86 Jahren fuhr er noch mit dem Auto durch Estland, immer auf der Suche, wo Hilfe gebraucht wurde. Nach seinem Tod im Oktober 2003 hinterlässt er viele dankbare Menschen, vor allem in seiner alten Heimat Estland. Und seiner Landeskirche hinterlässt er unter anderem die Estlandhilfe. Sein Nachfolger, Pfarrer Schümers aus Landefeld, weiß, in „welch große Fußstapfen“ er getreten ist. Und zum 100. Geburtstag von Burchard Lieberg hat er sich auf die Spurensuche nach ihm begeben, dem Abenteurer Gottes.

Von Claudia Feser

Quelle: HNA

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