Beim Manöver Bora trainierten Infanteristen die Zusammenarbeit mit Hubschraubern

Die Taliban im Kellerwald

Militäreinsatz über Dodenhausen: Die Luftbewegliche Brigade 1 nutzt auch den Kellerwald für ihr Manöver. Im Bild ein Hubschrauber vom Typ BO 105. Fotos: Dellit

Fritzlar-Homberg. Es herrscht Ruhe über dem Kellerwald. Irgendwo bei Dodenhausen steht eine Frau und telefoniert. Dann joggt sie den Weg hinab in Richtung Dorf. Wäre sie geblieben, hätte sie kurze Zeit später erlebt, wie eine Bundeswehrpatrouille aus dem dichten Wald kommt.

Dann der Knall! Eine Mine, ein Attentat. Der Wagen bleibt liegen, die anderen Fahrzeuge stoßen nach vorne und nach hinten durch. Aus dem Dickicht knattert plötzlich Maschinengewehrfeuer. Die Soldaten im Geländewagen werden beschossen.

Alles wird beobachtet

Einige Hundert Meter entfernt beobachten Militärs und Journalisten das Kampfgeschehen am Waldrand. Die Soldaten sind echt, die Schüsse nicht. Bora heißt das Manöver der Luftbeweglichen Brigade 1 mit Sitz in Fritzlar, das noch bis Ende nächster Woche läuft.

Im und über dem Kellerwald üben die Soldaten des Jägerregiments aus Schwarzenborn und die Besatzungen des Kampfhubschraubers Tiger etwas, was sie nie zuvor erprobt haben: den gemeinsamen Kampf gegen Feinde.

Im Manöver heißt dieser Feind Verteidigungsgemeinschaft Gilserberg. In der Realität könnte er Taliban heißen und statt im nordhessischen Gebüsch hinter einem Felsen im afghanischen Hindukusch lauern. „Joint Fire Support Team“ ist der militärische Begriff für die Gruppe, die da zusammenarbeitet. Die Verantwortung trägt der Mann am Boden, der per Funk an den Hubschrauber durchgibt, wo genau der Feind sitzt. Er trifft die Entscheidung, denn er kann ermessen, ob der Angreifer weit genug von den eigenen Truppen weg ist und ob Zivilisten gefährdet sind.

Nur wenn der Mann am Boden nicht mehr in der Lage sein sollte, eine Entscheidung zu fällen, haben die beiden Soldaten im Tiger das Sagen. Beim Manöver klappt noch nicht alles so, wie es sich die militärische Führung vorstellt. Die Absprache zwischen Boden und Luft dauert noch zu lange. Erst nach guten 30 Minuten wären die Kellerwald-Taliban getötet worden. Im Idealfall hätten 15 Minuten reichen müssen, erklärt Brigadegeneral Jürgen Setzer. Aber gerade deswegen sei die Übung ja so wichtig.

Noch einen Kritikpunkt hat der General: „Während die Schwarzenborner Jäger auf die Hilfe aus der Luft warten, erwidern sie das Feuer der Angreifer nicht.“

Keinen Zweifel hat Setzer daran, dass der Tiger, hätte er tatsächlich mit der 12,7-Millimeter-Kanone geschossen, die Verteidigungsgemeinschaft Gilserberg ausgeschaltet hätte. Und das aus 1000 bis 1500 Metern Entfernung. ARTIKEL LINKS

Von Olaf Dellit

Quelle: HNA

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