Kiebitz und Goldregenpfeifer kommen wieder zur Rast in die Schwalm

Tankstelle für Nordländer

Schwalm. Auf feuchten Wiesen in der Schwalmaue oder den übersichtlichen Ackerschlägen zwischen Schwalmstadt und Willingshausen sind derzeit Schwärme schwarzweißer, taubengroßer Vögel zu sehen. Wer genau hinschaut, sieht auch goldgelb getupfte Langbeiner dazwischen: Kiebitz und Goldregenpfeifer machen wieder Rast in der Schwalm.

Der Goldregenpfeifer ist nicht nur ein wunderschön gefärbter Vogel, sondern auch eine der größten Besonderheiten unserer Vogelwelt.

In Deutschland brüten nur noch wenige Paare, doch ziehen im Küstenraum über 100 000 Durchzügler aus Skandinavien und dem nördlichen Sibirien durch.

Im Binnenland gibt es hingegen nur ganz wenige Rastplätze, die von diesem Wattvogel alljährlich aufgesucht werden. In Hessen sind neben der Schwalm nur fünf weitere Bereiche bekannt, die von den Regenpfeifern als Tankstelle während der Reise genutzt werden.

Unser Raum ist neben der Wetterau sogar der zweitwichtigste Rastplatz des Landes, bis zu 600 Regenpfeifer wurden in den vergangenen Jahren hier schon beobachtet. Der Grund für die traditionelle Rastplatztreue ist vermutlich die sanft geschwungene, leicht hügelige Struktur der Ackerflächen zwischen Willingshausen und Schwalmstadt, die die Vögel an ihre skandinavische Fjäll-Heimat erinnert. Die vielerorts noch feuchten Schwalmwiesen bieten den „Goldis“, wie die Tiere von den Vogelkundlern liebevoll genannt werden, zusätzlich beste Nahrungsgebiete. Der Goldregenpfeifer ist aufgrund seiner Seltenheit und speziellen Rastansprüche auch ein Hauptgrund für die Ausweisung des Europäischen Vogelschutzgebietes „Schwalmniederung“.

Kiebitze waren früher weit verbreitete Brutvögel, sind inzwischen in der Schwalm brütend aber ausgestorben. Nur während des Vogelzuges sind die Chancen nach wie vor sehr gut, den eindrucksvoll schwarz-weißen, oberseits metallisch grün schimmernden Vogel mit der charakteristischen Haube noch anzutreffen.

Aber auch die Zahlen der Durchzügler gehen zurück. Bevölkerten in den 1990er-Jahren noch mehrere tausend Kiebitze die Äcker und Wiesen, sind es heute meist nur noch einige hundert Vögel. Neben schlechten Brutergebnissen, die auch zum Verschwinden der Brutvögel geführt haben, sind offensichtlich die Verluste im französischen Winterquartier für den Rückgang verantwortlich.

In Frankreich werden in jedem Jahr mehr als 100 000 Kiebitze geschossen.

Von Stefan und Heinz Stübing

Quelle: HNA

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