62-jähriger Wolfhager bangte um sein Leben

Männer mit Schusswaffe versuchten, Taxifahrer Lothar Breidenbach zu berauben

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Schon viel erlebt: Seit 15 Jahren fährt Lothar Breidenbach in Wolfhagen Taxi. In eine lebensbedrohliche Situation war er in all den Jahren nie geraten. Aber er sagt auch: „Man glaubt gar nicht, was nachts hier in Wolfhagen für Typen unterwegs sind.“

Wolfhagen. Seit 15 Jahren fährt Lothar Breidenbach in Wolfhagen Taxi. Bei seinen Touren hat er einiges erlebt. Vor gut acht Jahren wurde er sogar krankenhausreif geschlagen. Am Samstagabend blickte er zum ersten Mal in den Lauf einer Schusswaffe und bangte um sein Leben. Zwei Vermummte wollten sein Geld.

Der 62-Jährige war gegen 22.45 Uhr telefonisch von einer Frau in die Lynckerstraße in Wolfhagen bestellt worden und dort auch pünktlich um 23 Uhr eingetroffen. Als er aber keinen Fahrgast finden konnte, fuhr er weiter. Wenig später hatte er eine Stadtfahrt. Auf dem Rückweg fuhr er mit seinem Taxi durch die Danziger Straße.

Tür aufgerissen

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20:10 Uhr aktualisiert.

Kurz darauf klingelte das Telefon, die Rufnummer war unterdrückt, die gleiche Frau war am Telefon, sagte, er sei gerade an ihr vorbei gefahren und bestellte ihn für 23.10 Uhr zum Haus Danziger Straße 1. „Kurz vor der Ankunft habe ich dort schon zwei dunkle Gestalten gesehen, eine Frau war nicht dabei“, sagt Breidenbach. „Ich bin hingefahren, habe angehalten. Die Typen kamen gleich zum Auto. Einer der Männer hat die Tür aufgerissen“, erzählt der 62-Jährige.

Geld verlangt

Der eine habe mit beiden Händen eine Pistole gehalten und auf Breidenbachs Körper gezielt. „Wir wollen dein Geld“, habe der Typ, der eine Kapuze tief ins Gesicht gezogen hatte, zu ihm gesagt. Der andere, der mit einem weißen Tuch vermummt gewesen sei, habe direkt daneben gestanden. „Wir wollen dein Geld, sonst drücke ich ab“, habe der Mann mit der Pistole nochmal gesagt. Breidenbach: „Der hatte so einen Ostblock-Akzent.“

Blut in die Beine gesackt

Die Tür offen, die Waffe vor Augen – ihm sei „das Blut in die Beine gesackt“, erinnert sich der Taxifahrer. Zum Gasgeben habe es aber noch gereicht. Das Pedal bis zum Anschlag durchgetreten, ließ Lothar Breidenbach die beiden Ganoven stehen, Die Fahrertür knallte unterwegs von allein zu.

Beim Wegfahren sah er noch, wie sich die beiden Männer in Richtung Siegelweg/Friedensstraße aus dem Staub machten. Er habe dann in Höhe des Arbeitsamtes die Polizei angerufen, die sei auch schnell angerückt.

Die zwei Männer, nach denen jetzt wegen des versuchten Raubüberfalls gefahndet wird, „müssen sich gut ausgekannt haben“, meint Breidenbach. „In der Danziger Straße, da stehen Mehrfamilienhäuser, da guckt keiner, wenn unten was los ist. Und es war dort die dunkelste Ecke.“

Der 62-Jährige, der sich selbst als „ziemlich ruhig“ beschreibt, fuhr seine Nachtschicht noch zu Ende. Allerdings mit einem mulmigen Gefühl. Ab Montag hat er eine Woche Tagdienst, Zeit, das Erlebte zu verarbeiten. „Bei der nächsten Nachtschicht nächsten Samstag“, befürchtet Breidenbach aber, „kommt das alles wieder hoch“.

Beschreibung der Täter

Nach Angaben des 62-Jährigen Taxifahrers waren beide Täter etwa im Alter von Mitte 20, beide waren dunkel gekleidet, einer mit Kapuzenpulli. Die Männer waren zwischen 1,70 und 1,75 Meter groß und schlank. Sie sprachen mit osteuropäischem Akzent.

Zeugen, die Hinweise zur Tat, den beiden Räubern oder der weiblichen Anruferin geben können, werden gebeten, sich unter 0561/9100 beim Polizeipräsidium Nordhessen zu melden. Die Ermittlungen werden vom Kommissariat K 35 geführt.

Von Norbert Müller

Quelle: HNA

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