Statdmanager: Ein Team-Spieler wird gesucht

+
Die Marschrichtung ist klar, aber noch nicht in Stein gemeißelt: So wie ein Architektenbüro hier seine Arbeit anpreist, will der Bürgermeister Gerald Näser die Schwalm attraktiver machen für Tourismus und Gewerbe mit Hilfe des neuen Vereins GUT.

Schwalmstadt. Ende Januar war es in Schwalmstadt soweit: Zwei Jahre nach der Ankündigung, wurde GUT gegründet. Über Ziele des Vereins und Aufgaben des Stadtmanagers sprachen wir mit dem Vorsitzenden, Bürgermeister Dr. Gerald Näser.

Mit welchem Ziel wurde der Gewerbe- und Tourismusverein GUT gegründet?

Gerald Näser: In Schwalmstadt gibt es den Sonderfall, dass zwei Städte in einer aufgegangen sind. Das bringt Zwänge mit sich, nämlich, dass wir zwei Gewerbevereine haben. Wir haben erkannt, dass es sinnvoll ist, die Kräfte in einem gemeinsamen Verband zu bündeln. Wir haben viele Feste wie die Salatkirmes oder Ziegenhain vom Feinsten, die gut laufen. Das Ziel von GUT ist es, eine größere Professionalität reinzubringen. Der Fokus liegt dabei auf der ganzen Stadt.

Sie sagten, GUT soll ein Koordinierungsbüro verschiedener lokaler Interessengemeinschaften werden. Was meinen Sie denn damit?

Näser: Die Handels- und Gewerbevereine kommen an ihre Grenzen. Wir haben die Situation, dass viele Geschäftsleute hier geboren und aufgewachsen sind, die auch gute Ideen haben. Aber ich denke, dass wir auch einen Blick von Außen brauchen. Deshalb stellen wir einen Stadtmanager ein.

Gibt es schon einen aussichtsreichen Kandidaten?

Näser: Das Bewerbungsverfahren läuft bis Mitte März. Wir suchen jemanden, der theoretische und praktische Kenntnisse mitbringt. Er kann auch gerne studiert haben, muss aber auch die ländliche Region kennen. Wichtig ist, dass er eigene Gedanken dazu einbringt, wie unser Vorhaben gelingen kann. Er hat dabei alle Freiheiten, die wir ihm geben können. Wir suchen auf jeden Fall keine eierlegende Wollmilchsau, sondern einen Team-Spieler.

Welche Kosten kommen damit auf die Stadt zu?

Näser: Das Gehalt des Stadtmanagers ist natürlich Verhandlungssache. Aber im Haushaltsentwurf für Tourismus- und Gewerberförderung stehen 50 000 Euro nach jeweils 44 000 in den letzten zehn Jahren, also 6000 Euro mehr.

Welche Rolle haben Sie für die Schwalm-Touristik vorgesehen?

Näser: Nur mit Mühe konnten wir sie im vergangenen Jahr vor dem Konkurs retten. Dazu kam die Pensionierung der hauptamtlichen Mitarbeiterin. GUT übernimmt touristische Aufgaben zusammen mit der Schwalm-Touristik, wird aber in Zukunft auch Stadtführungen organisieren, um nur ein Beispiel zu nennen. Wichtig ist, dass der neue Stadtmanager hier Strukturen reinbringt und die Angebote, die es gibt, ordnet.

Die Vereinsgründung hat zwei Jahre gedauert. Wieso so lange?

Näser: Wir haben in den zwei Jahren viel Arbeit geleistet. Zusammen mit einem Professor für Stadt- und Regionalentwicklung von der Uni Kassel, Ulf Hahne, haben wir überlegt, wie sich GUT positionieren soll. Hahne hat zusammen mit Studenten analysiert, wo die Zentren in Schwalmstadt sind. Früher hatten wir eine gefühlte Zentralität, die sich in der Kaufkraft widerspiegelt von 180 Prozent, da wollen wir wieder hin. Die Bahnhofsstraße als Einkaufsstraße hat früher super funktioniert, jetzt aber nicht mehr.

Ziel des Vereins ist es unter anderem, die Vielzahl von Festen, touristischen Veranstaltungen und die verkaufsoffenen Sonntage künftig aus einer Hand zu planen. Welche weiteren Ziele gibt es?

Näser: Der Tourismus ist etwas, wo wir noch meilenweit hinterherhinken. Im Moment haben wir fünf Standbeine: Handwerk, Industrie, Gewerbe, Einrichtungen im sozialen Bereich und die Landwirtschaft. Vom Tourismus leben bisher nur wenige Unternehmen, Busunternehmen oder Restaurants zum Beispiel. Er ist ein Bereich, der nur wenig abwirft.

Andere Städte, zum Beispiel Homberg, haben schon ein Stadtmarketing, ist Schwalmstadt nicht recht spät dran?

Näser: Bisher war der Handlungsdruck noch nicht so groß. Vor zehn Jahren hat der Handel noch floriert. Mit dem Schwalm-Kaufhaus hatten wir bis noch einen Magnet vor Ort, ein Karstadt XS, das die Menschen angezogen hat. Auch die Wiederholdstraße hat funktioniert. Inzwischen haben die Einkaufsstraßen stark gelitten mit Leerstand und Unternutzung. Auch der Marktplatz in Treysa ist ein Schwachpunkt.

Was sind die ersten Projekte, die GUT angehen wird?

Näser: In die Planung des Frühlingsfestes wird sich der neue Stadtmanager noch nicht einbringen können, aber zum Weindorf an der Totenkirche sollte er schon Ideen haben.

Von Nina Nick

Quelle: HNA

Kommentare