Ab Sonntag zeigt Gedenkstätte und Museum eine außergewöhnliche Sammlung

Theater hinter Stacheldraht

Besonderes Vermächtnis eines Kriegsgefangenen: In der ehemaligen Geschäftszimmerbaracke des Lagerkommandanten in der Hauptstraße in Trutzhain werden ab Sonntag aus Pappmaché gefertigte Puppen und Masken gezeigt. Sie dienten dem Lagertheater (unten links) als Requisite. Museumsleiterin Karin Brandes mit einer der Masken, denen Disneys Zwerge als Vorlage dienten. Fotos: 3 Grede/1 nh

Trutzhain. Vor vier Jahren erhielt das Museum in Trutzhain ein ungewöhnliches Geschenk: Josiane Bonhomme, die Tochter eines ehemaligen Kriegsgefangenen, überließ dem Museum zehn bemalte Theatermasken und 13 kunstvoll gestaltete Handpuppen.

Sie waren im Lager angefertigt worden und dienten dem Ziegenhainer Lagertheater als Requisite. 1944 gehörten 53 000 Kriegsgefangene unterschiedlicher Nationalitäten dem Lager an. Vor allem französische Kriegsgefangene waren vom Arbeitseinsatz ausgenommen. Sie beteiligten sich aktiv am kulturellen Lagerleben – ihr „Überlebens-Mittel“.

Das Theater spielte laut Gedenkstättenleiterin Karin Brandes im Alltag der französischen Kriegsgefangenen eine große Rolle. Monatlich sei ein Stück einstudiert worden. Es wurden klassische Tragödien und Komödien gezeigt, aber auch Revuen und Kabaretts standen auf dem Programm.

In der ehemaligen Geschäftszimmerbaracke des Lagerkommandanten, die zwischenzeitlich als Lebensmittelgeschäft und Kaminstudio genutzt wurde, wird nun das Lagertheater wieder lebendig werden. Großformatige historische Fotos der Aufführungen der Group Artistique Ziegenhain bilden in zwei Ausstellungsräumen die Kulisse für die Präsentation der Handpuppen und Masken.

Erstmals waren die handgefertigten Puppen des bekannten Bildhauers Gerard Chouin im Jahr 1942 zum Einsatz gekommen. Ein Plakat belegt für den 11. April die Premiere des Stücks Cyrano-Guignol de Bergerac – Guignol, das ist quasi der französische Kasperle.

Wie die Puppen in den Nachkriegswirren den Weg nach Frankreich fanden, ist nicht belegt. Josiane Bonhomme entdeckte den Nachlass ihres Vaters René Huc auf dem Dachboden ihres Elternhauses. Nachhaltig beeindruckt von einem Besuch in Trutzhain schenkte sie die Sammlung der Gedenkstätte.

Für 4500 Euro (60 Prozent Förderung des Hessischen Museumsverbands) wurde die Sammlung jetzt restauriert.

Von Sylke Grede

Quelle: HNA

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