Firmen Thiel und Maho Thema im Erzählcafé des  Kultur- und Geschichtsvereins

Erinnerungen: Herbert Graf, Karl-Heinz Hohbein und Ewald Heinemann (von links) ließen in Wort und Bild die Bad Emstaler Maho-Firmengeschichte wieder aufleben. Foto: zih

Bad Emstal. Gut 100 Frauen und Männer waren in den Festsaal der Merxhäuser Vitos-Klinik zum Erzählcafé des Kultur- und Geschichtsvereins gekommen. Sie alle hatten persönlich oder familiär mit dem Thema etwas zu tun. Die Geschichte der früher in Sand tätigen Firma Thiel stand im Mittelpunkt.

Im Jahr 1972 war sie von der weltweit operierenden Maschinenfabrik Maho übernommen worden. Als sich am 29. Juni 1992 die Werkstore endgültig schlossen, verlor die Gemeinde mit einem Schlag ihr wirtschaftliches Standbein. Für 500 Menschen war das Aus der Verlust ihres Arbeitsplatzes.

Am Schließungstag brach auch für die heute im Bad Emstaler Ortsteil Sand lebende 81-jährige Anneliese Heinemann eine Welt zusammen. Die rüstige Rentnerin: „Thiel beziehungsweise Maho war für uns nicht nur ein Arbeitgeber, sondern für alle Arbeiter und Angestellten eine große Familie.“ Bei Heinemanns erfuhr der Begriff Familie gar Wahrheitsgehalt. Denn neben Anneliese standen dort auch ihr Mann, Sohn, Schwiegersohn und die Tochter bis zum bitteren Ende in Lohn und Brot. Sie selbst hatte 1949 in dem Unternehmen endlich einen Arbeitsplatz gefunden; nach dem Zweiten Weltkrieg war es aus dem thüringischen Ruhla nach Sand umgesiedelt. Sie baute bei einem Stundenlohn von 46 Pfennig Spieluhren zusammen.

Nach der Kinderpause kam sie in ihre Betriebsfamilie zurück, wurde Fräserin, danach Lagerverwalterin und leitete bis zu ihrem Ausscheiden sechs Monate vor der Werksschließung das Versandlager. Anneliese Heinemann: „40 Jahre lang war das Unternehmen, bei dem bis 1991 220 Millionen Mark Schulden aufgelaufen waren und das 1995 in Insolvenz ging, meine zweite Heimat.“ Im Jahr 2000 wollte Maho das Bad Emstaler Werk reaktivieren, was jedoch an den fehlenden Fachkräften scheiterte.

Fast jeder Erzählcafébesucher hätte die Bad Emstaler Maho-Geschichte unter Wort- und Bildmoderation von Herbert Graf, Karl-Heinz Hohbein und Ewald Heinemann ähnlich wie Anneliese Heinemann mit Erinnerungen, Erlebnissen und Anekdoten wieder lebendig werden lassen können. „Es ist Sinn und Zweck der Veranstaltung, die persönlichen Erinnerungen wieder ein Stück Heimatgeschichte aufleben zu lassen“, sagte Hartwin Neumann, Vorsitzender des Kultur- und Geschichtsvereins.

Das nächste Erzählcafé am Samstag, 17. März, im Vitos-Festsaal, steht unter dem Thema: 50 Jahre Staatsexamen der Krankenpflegeschule Merxhausen. (zih)

Quelle: HNA

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