Hans-Staden-Jahr

Theodor-Heuss-Schule plant deutsch-brasilianisches Kunstprojekt

Hans Staden

Homberg. Die Theodor-Heuss-Schule in Homberg hat dieses Jahr zum „Hans-Staden-Jahr“ erklärt, um ihren Schülern die Bedeutung Hans Stadens bewusst zu machen und sich mit dem heutigen und damaligen Brasilien auseinanderzusetzen.

Für die einen ist Hans Staden ein ganz großartiger Reiseschriftsteller, der in einem Atemzug mit Christoph Kolumbus und Alexander von Humboldt genannt werden sollte. Für die anderen hat Staden zumindest geistig den Völkermord an den indianischen Ureinwohnern Südamerikas mit zu verantworten hat. Folglich scheiden sich an keinem anderen Homberger so sehr die Geister wie an ihm.

Die Schüler der Deutschen Schule in Rio de Janeiro haben ebenfalls zum Thema „Hans Staden, Brasilien und Deutschland“ gearbeitet. Mit ihr zusammen hat die THS ein einmaliges interkulturelles Projekt mit einem Schwerpunkt im Kunstunterricht begonnen. Dessen Ergebnisse werden in einer gemeinsamen Ausstellung im November in Rio de Janeiro und im März 2014 in Homberg gezeigt.

Homberg war im 16. Jahrhundert nicht nur eine „Stadt der Reformation“, sondern auch der Geburtsort Hans Stadens. Er war Verfasser der Schrift „Wahrhaftig Historia und Beschreibung eyner Landschaft der Wilden, Nacketen, Grimmigen Menschenfresser Leuthen, in der Newen Welt America gelegen [...]“. Diese erschien 1557 in Marburg als Bericht über seine Reisen in die Neue Welt. Darin schildert er als erster Europäer unter anderem die eingeborene Bevölkerung Brasiliens.

Reisebeschreibungen

Seine Reisebeschreibungen wurden damals ein literarischer Bestseller. Nach und nach wurde das Buch in fast alle westeuropäischen Sprachen übersetzt. Illustriert wurde das Werk durch naive, aber höchst anschauliche Holzschnitte, die in mehrfacher Weise den behaupteten Kannibalismus der südamerikanischen Ureinwohner plastisch vor Augen führten und damit die Wirkung der Schrift vervielfachten.

Die Vermutung liegt nahe, dass Staden dem Stecher eigene Skizzen vorgelegt hat oder ihm exakte Anweisungen gegeben hat. So besaß Stadens Werk einen ungeheuren Propagandawert, der erst später erkannt wurde. „So fühlten sich die spanischen Bluthunde im Recht, als sie die Indianer niedermetzelten,“ sagt Historiker Thomas Schattner. Und so legitimierte Stadens Buch letztendlich auch die Raubzüge der spanischen Konquistadoren wie Hernán Cortés. „Heute nennt man so etwas ethnische Säuberungen“, sagt Schattner. (red)

Quelle: HNA

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