Homberger wurde wegen Körperverletzung mit Todesfolge verurteilt

Therapie hinter Gittern

Schwalm-Eder. Im Prozess um einen tödlichen Faustschlag hat das Kasseler Landgericht den angeklagten Homberger zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren und neun Monaten verurteilt. Die 6. Strafkammer befand den 39-Jährigen der Körperverletzung mit Todesfolge für schuldig. Zugleich ordnete sie seine Unterbringung in einer Entziehungsanstalt an.

„Es gibt kein Tötungsmotiv“, betonte Richter Volker Mütze in derBegründung. Im Gegenteil habe der Angeklagte den Getöteten – „sein bester Trinkkumpan“ – gebraucht. Weil der ihn mit Alkohol versorgte, wenn der 39-Jährige selbst kein Geld hatte.

Zu dem tragischen Tod des 55-Jährigen im September sei es durch einen einzelnen wuchtigen Schlag aufs Auge gekommen. Dass so etwas tödlich enden könne, liege allerdings „nicht völlig außerhalb der Lebenserfahrung“ – auch für den Angeklagten nicht. Der habe im mittelschweren Rausch und in einem verbalen Streit zugeschlagen.

Für Notwehr, die die Verteidigung nicht habe ausschließen wollen, gebe es keinerlei Hinweise. „Wir müssen nicht alle hypothetischen Möglichkeiten annehmen“, erklärte Mütze – dies gelte insbesondere, wenn der Angeklagte selbst nicht davon spreche. Und der rede nicht von Notwehr, sondern behaupte, er habe gar nicht geschlagen. Spuren oder Verletzungen, die auf einen Kampf hindeuten könnten, gebe es nicht.

„Der Angeklagte weiß, was er gemacht hat“, zeigte sich der Richter überzeugt. Vielleicht wolle der Homberger es sich nicht eingestehen, vielleicht verdränge er die Tat. Aber seine eigene Aussage spreche gegen die These, ein Dritter könne dem 55-Jährigen den Schlag versetzt haben. Der Angeklagte nämlich habe zu verstehen gegeben, dass außer ihm niemand die Wohnung des Mannes aufsuchte – als er sagte, er habe nach Finden der Leiche die Polizei informieren wollen, damit der Freund nicht wochenlang tot in der Wohnung liege.

Eine Therapie im Maßregelvollzug pries Mütze dem alkoholabhängigen Homberger als „letzte Chance“ an. Sobald das Urteil rechtskräftig werde, könne er die Behandlung, für die zwei Jahre angepeilt sind, antreten – und bei Erfolg danach auf freien Fuß kommen. Der 39-Jährige war nicht vorbestraft und saß knapp neun Monate in Untersuchungshaft.

Von Katja Schmidt

Quelle: HNA

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