31-Jähriger hat das 42. Willingshäuser Künstlerstipendium erhalten

Thilo Janssen stellt in Willingshausen mit Krückstock aus

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Hochglanz-Kunst mit Lack: Thilo Janssen ist Stipendiat in der Malerkolonie Willingshausen. Er malt mit Sprühlack aus Spraydosen – inspiriert von der Schwälmer Natur. 

Willingshausen. Auf dem Tisch liegen Spraydosen, Schleifpapier und Spachtel, in der Luft hängt der Geruch von Lack. Es ist aber keine Lackiererei, in der Thilo Janssen steht.

Es ist das Atelier im Gerhardt-von-Reutern-Haus in Willingshausen, das der junge Künstler momentan bewohnt.

Der 31-Jährige aus der Eifel hat das 42. Willingshäuser Künstlerstipendium erhalten. Doch er hätte es fast nicht annehmen können: Einen Monat vor seinem Umzug in die Malerkolonie fiel ihm ein loser Grabstein aufs Bein. „Ein Trümmerbruch“, erzählt Janssen, „Ich lag zwölf Tage im Krankenhaus.“ Auch heute noch muss er hin und wieder zur Krücke greifen, geht regelmäßig zur Physiotherapie.

Als er sich auf das Stipendium beworben hatte, war die Idee eine ganz andere, erklärt Janssen: „Ich wollte mit befreundeten Malern gemeinsam hier arbeiten.“ Dann kam der Unfall. Janssen konnte das Stipendium nur verspätet antreten und war außerdem nicht so gut zu Fuß.

Fotos von der Natur

Also musste er umdenken: „Ich bin in der Region spazieren gegangen und habe erstmal Fotos von der Natur gemacht.“ Die hängen auch in seinem Atelier - blühender Raps zum Beispiel. Aus seinem Besuch im Krankenhaus brachte er die Idee mit, die Krücken als Material zu benutzen - als Aufhängung seiner Werke. Die Farben des Frühlings, eingerahmt in das Aluminium und Plastik der Gehhilfen - der Kontrast inspirierte ihn. Damit war das Konzept der Ausstellung gefunden.

„Mein Genesungsprozess ist Teil meiner Arbeit“, erklärt Jenssen. Dabei sieht er sich in der Geschichte des Gründers der Malerkolonie: Gerhardt von Reutern kam auch zur Genesung nach Willingshausen, bevor er um 1824 die Malerkolonie gründete. Janssens Ausstellung soll voraussichtlich den Titel „New Energy“ - also „Neue Energie“ tragen.

Der 31-Jährige, der in Kassel bis 2014 noch Kunst studierte, ist zwar Maler, mit klassischer Landschaftsmalerei hat seine Arbeit nach eigener Aussage aber wenig zu tun - allein schon wegen der verwendeten Materialien.

Bild mit vielen Schichten

Janssen versprüht Lack auf die Leinwände, Schicht für Schicht. Die in rot, grün, gelb oder blau glänzenden Werke werden außerdem geschliffen und poliert, bis sie schimmern und spiegeln. „Jedes Bild besteht aus 10 bis 20 Schichten“ erklärt Janssen seine Technik.

Nach mehreren Schichten sind in den Werken deutlich die Reflexionen von Fenstern, Menschen und Lichtern sehen. Das ist Teil von Janssens Kunst: Je nachdem, wo und wie das Bild betrachtet wird, sind andere Dinge darin zu sehen. Damit wird der Raum, in dem ausgestellt wird, auch Teil des Bildes. Ab Juni wird der Raum die Kunsthalle Willingshausen sein.

Ausstellung ab dem 24. Juni

Die Kunstwerke von Thilo Jenssen werden ab Freitag, dem 24. Juni in der Kunsthalle in Willingshausen ausgestellt. Bis zum 24. Juli werden die abstrakten mit Lack bemalten Leinwände zu sehen sein. Die Ausstellung ist von Dienstag bis Sonntag jeweils von 14 bis 17 Uhr, am Wochenende zusätzlich von 10 bis 12 Uhr geöffnet.

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Quelle: HNA

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