Thorsten Hitschfel begeisterte bei der Kulturwoche in Wabern

Sie harmonieren perfekt: Kabarettist Thorsten Hitschfel und seine pinkfarbene Gitarre Floyd waren in Wabern zu Gast. Foto: Laumann

Wabern. Es war ein Auftakt nach Maß: Zum Start der Waberner Kulturwoche ist Thorsten Hitschfel im Kulturbahnhof aufgetreten. Er schlug mit seinem Musikkabarett den Bogen von Castingshows bis zu den Milchpreisen.

Thorsten Hitschfel kommt dort her, „wo die Innenstädte saniert und die Straßen besser sind“: aus den neuen, nicht den gebrauchten Bundesländern, wie er sagt. Und so sächselt sich der Musikkabarettist durch den halben Abend.

Thema des Abends war das Älterwerden. Egal ob Bildungssstudie, Casting-Wahnsinn oder der Einkaufsstress im Supermarkt: Hitschfel gelingen die Überleitungen, er spinnt aus Mimik, Wortwitz und Melodien ein feines Netz an Pointen. Dabei ist er stets klar und feinsinnig.

Zeichen für Intelligenz

Hitschfel geht es um die Vorzüge des Älterwerdens. Während es heutzutage „je jünger, je dümmer“ hieße, seien graue Haare und eine Glatze Zeichen für Intelligenz. „Da weiß der Gegenüber, dass man noch lesen und schreiben kann.“ Und während man früher für das „Hotel Mama“ belächelt wurde, wohnt man heute im Mehrgenerationenhaus.

Früher sei nicht alles schlecht gewesen. „Zum Beispiel in der Musik“, sagt Hitschfel und schnappt sich seine pinkfarbene Gitarre „Floyd“. „Wenn sie was kennen, singen Sie sie mit“, fordert der Kabarettist das Publikum auf. Und die 85 Besucher trauen sich - nicht nur bei „Steig in das Traumboot der Liebe“. Doch die Romantik gehe flöten. „Früher waren es Liebeslieder“, sagt Hitschfel, heute gehe es um Popsongs.

Im Kulturbahnhof startet Hitschfel eine musikalische Reise durch die Jahrzehnte. Er sinniert über bekiffte Woodstock-Songs, die philosophischen Meisterwerke der Neuen Deutschen Welle („Da Da Da“) und reist mit dem Lied „Am Brunnen vor dem Tore“ quer durch die Kulturkreise. Jetzt wissen die Zuschauer, was es braucht, um möglichst französisch oder amerikanisch zu klingen: eine Kartoffel auf der Zunge und Kaugummis in den Wangen.

Hitschfel schafft es, den Bogen von einer Castingshow-Jury über das Expertentum in diesem Land bis zur Finanzkrise und den Milchpreisen zu schlagen. Grandios ist seine Zugabe über einen Supermarkt-Besuch. Was für ein Auftakt: Oder wie Thorsten Hitschfel wohl sagen würde: „Jauchzet, frohlocket“.

Quelle: HNA

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