Literatur von Jung und Alt in vielen Facetten – mal besinnlich, mal heiter

Tiefgang und Dorftratsch

Auf dem Literatursofa: Leonie Bandurski, Franziska Kraishaar und Philine Zawada (von links) lasen eigene Geschichten. Fotos: Michl

Istha. Von der Fantasie zum Schreiben, vom Schreiben zum Lesen – und zum Zuhören. Dazu faszinierende Klänge vom aus Ulrike Dietrich von Siebenstern, Alina Albert, Kewa Sievi-Albert sowie Flora von Steimker bestehenden Querflötenensemble der Musikschule Wolfhager Land. Das alles und mehr bot die erste Isthaer Lesenacht im Dorfgemeinschaftshaus.

Eingeladen dazu hatte der Verein zur Förderung von Dorfentwicklung und Dorferneuerung im Veranstaltungsreigen „888 Jahre Istha – Erinnern und sich auf den Weg machen“. Ernstes, Besinnliches, Aufrüttelndes, aber auch Heiteres bekam das reichlich erschienene Publikum zu hören. Zum Beispiel in den selbst geschriebenen Geschichten der 15-jährigen Leonie Bandurski und Franziska Kraushaar sowie ihrer ein Jahr älteren Freundin Philine Zawada, alle aus Wolfhagen. „Texte mit Tiefgang“, würdigte Dieter Schrader vom Förderverein, „die beim Zuhörer tiefe Gefühle ansprechen und vermitteln.“

Dies spiegelte sich auch bei Rainer Wegener (Berlin) wider, der früher für einige Jahre in Istha lebte und von seiner Lebenspartnerin Passagen aus seinem autobiografischen Roman „Getrieben“ vorlesen ließ. Wegener beschreibt seinen Lebenskampf im Wissen um seine genetische Erbkrankheit Morbus Huntington als eine „Radreise ins Innerste der Seele“.

Und auch der Textbeitrag eines forensischen Patienten der Merxhäuser Vitos-Klinik, den die dortige Therapeutin Bettina Matyssek rezitierte, ging unter die Haut.

Wahre Geschichten

Heiter und fröhlich dagegen die gereimten wahren Dorfgeschichten des Dorheimer Mundartdichters Roland Siebert, die alle auch in Istha so hätten passieren können.

Was wirklich einst in Istha geschah, erfuhren die Zuhörer im zweiten Teil des Abends. Da gaben nämlich „Platt schwatzend“ in der niederdeutschen Isthaer Mundart Hilde Schäfer, Brigitte Schluz, Jakob Ledderhose, Ortsvorsteher Wolfgang Hensel und Reinhard Brüning „upp deen Scheselong und upp derr Mellkbank“ heitere Schnurren und Episoden zum Schmunzeln aus dem früheren Leben der Isthaer zum Besten. Der Bogen spannte sich von „August mit Dschinderassa Bum“, über „De Kinngerfrogge“ bis zur „Grooten Politik upp derr Mellkbank.“

Die Milchbänke, so erklärte Reinhard Brüning, waren früher in jedem Dorf das Kommunikations- und Nachrichtenzentrum.

Von Reinhard Michl

Quelle: HNA

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