Ställe ausmisten und füttern

Arbeiten im Wildpark Knüll: Da ist tierisch viel zu tun

Massenhaft Heu für hungrige Ziegen: HNA-Volontärin Nora Sonnabend beim Füttern der Ziegen.

Allmuthshausen. Es ist früh, und es ist kalt. Als ich um kurz nach 7 Uhr zu den Tierpflegern im Wildpark Knüll stoße, bin ich mir mehr nicht sicher, ob dieser Termin wirklich eine gute Idee war.

„Gestern hättest du hier sein müssen“, sagt Werner Bickel zu mir. „Da war es noch viel kälter.“ Er arbeitet seit über 30 Jahren als Tierpfleger, bei jedem Wetter. Und ich möchte das jetzt einen halben Tag lang ausprobieren.

Nadine Schiller ist Auszubildende im zweiten Lehrjahr und nimmt mich bei ihrer Arbeit mit. Zum Glück dürfen wir den Gator, ein kleines Geländefahrzeug, nehmen - sonst müssten wir zu Fuß von Gehege zu Gehege laufen. Und der Wildpark Knüll ist nicht gerade klein: Er umfasst 55 Hektar. Wir nehmen Kollegin Berit Gläsel ein Stück auf der Ladefläche mit und setzen sie am Streichelzoo ab. Dann geht es zum Frettchen.

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Dort seien sonst auch die Hühner und Kaninchen untergebracht, erklärt mir Nadine. Im Winter sei es da für sie aber zu kalt. „Und wo sind sie jetzt?“, will ich wissen. „Bei den Luchsen.“ Ich frage lieber nicht, wie das gemeint ist.

Beim Frettchen ist schnell sauber gemacht, das Tierchen bekommt Futter und wir fahren weiter, zu Hühnern, Kaninchen und Meerschweinchen. Bevor ich mich in die Kaninchen verliebe, sagt Nadine mir, dass auch sie zum Verfüttern gehalten werden. Ich hatte sie vorhin also nicht falsch verstanden. Sie erklärt mir, dass Luchse, gerade bevor sie Nachwuchs bekommen, Kaninchen fressen sollten, weil deren Knochen viel Magnesium enthalten. „Bei uns bekommen nur die Tiere Fleisch, die es wirklich brauchen.“

Während Nadine die Kaninchen füttert, kümmere ich mich um den Hühnerstall nebenan. Da müssen Stroh und Futterreste entsorgt werden. Eine Arbeit, die Nadine täglich erledigt: „Das sind etwa 80 Prozent meiner Arbeit.“ Eier, die auf dem Boden liegen, sammle ich auf – die bekommt später der Marder.

Später hieve ich aus einem Raum voller Heu einen Ballen und verteile ihn im Ziegenstall. „Kein Problem“, denke ich noch, da rennen mich die Ziegen fast über den Haufen.

Über Wege voller Laub brettern wir zu den Wildschweinen. Die bekommen heute Kürbisse zu fressen. Das ist mir lieber als das Futter, das wir den Eulen bringen müssen: Küken. „Man muss sich daran gewöhnen, Tiere an Tiere zu verfüttern“, erklärt mir Nadine. Ich bin mir nicht sicher, ob ein halber Tag dafür reicht. Da bleibe ich lieber bei dem, was ich kann: putzen. Wir machen also die Eulenvoliere sauber.

Beim Vorbeifahren sehen wir eine Ziege leblos neben dem Stall liegen. Wir haben richtig geguckt: Die alte Ziege ist tot - wir bringen sie als Futter ins Wolfsgehege.

Die Frühstückspause zwischendurch kann ich gebrauchen. Aber nicht, weil ich Hunger habe, sondern weil mir kalt ist. Das kurze Aufwärmen macht das Ganze aber nur noch schlimmer. Zum Glück merke ich, dass es nicht nur mir so geht. Ich frage Nadine, ob der Beruf abhärtet: „Nein, ich habe andauernd Schnupfen,“ sagt sie.

Die Bären machen Männchen, als wir ihnen von der Besucher-Brücke aus Möhren und Würstchen in den Rachen werfen. Daran könnte ich mich doch gewöhnen.

Von Nora Sonnabend

Quelle: HNA

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