Tierische Gärtner in Zierenberg - Querelen um Ziegen kein Thema mehr

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Die Ziegen sind sein Ein und Alles: Frank Schmidt. Foto: zhf

Zierenberg. Kaum hat Frank Schmidt das erste Bein über den frisch gesteckten Zaun gehoben, da stehen sie schon parat. Ein vorsichtiger Stupser mit der Schnauze hier, ein neugieriger Blick da. Aufgeregt begrüßen sie ihn, die rund 150 Burenziegen.

Die Tiere kennen Schmidt gut, schaut er doch schließlich jeden Tag nach ihnen, gerade jetzt, wo sie ihr Winterquartier verlassen und oberhalb des Alpenpfades auf dem Hohen Dörnberg ihre Saisonarbeit als Landschaftspfleger angetreten haben.

Es ist ein Bild purer Idylle, wenn sie in den Weißdornbüschen stehen, am Wacholder knabbern oder sich die Kleinsten fröhlich zwischen den kunterbunten Frühlingsblumen und Orchideen balgen. „Spaziergänger lieben die Ziegen“, sagt Schmidt, der nicht selten kleine Vorträge über die aus Südafrika stammende Rasse halten muss, wenn Wanderer die Weiden passieren. Das tut er gern, sah er sich doch vor gut einem halben Jahr noch wegen der Tiere öffentlich an den Pranger gestellt, als die in seiner Heimatstadt plötzlich unerwünscht waren, zumindest während der Wintermonate.

Einige Zierenberger hatten gegen Schmidts neuen Ziegenstall mobil gemacht, den er gemeinsam mit Bruder Michael in unmittelbarer Nähe zum Wohngebiet am Schreckenberg gebaut hatte. „Irgendwer lief herum und erzählte Horrormärchen von stinkenden Ziegen, setzte Gerüchte von einer geplanten Käserei in die Welt, sogar von einer Schlachterei war die Rede, ärgerte sich Schmidt, der seit 15 Jahren viel Herzblut in seine Arbeit mit den Ziegen steckt.

Mittlerweile habe sich all die Aufregung aber in Schall und Rauch aufgelöst. „Kein Mensch hat sich mehr empört nach Bezug der Feldscheune, viele haben nicht einmal mitbekommen, dass die Ziegen im November überhaupt schon da waren“, sagt Schmidts Ehefrau Andrea. Dennoch ist den Schmidts sehr nahegegangen, dass ihnen so vor den Kopf gestoßen wurde - tun sie doch eigentlich ein gutes Werk. Auf dem Kalkmagerrasen gedeihen seltene Pflanzen, zwischen Orchideen und Enzianen tummeln sich Insekten und farbenprächtige Schmetterlinge.

Landschaftspflege 

Ohne die seit Jahrhunderten betriebene Hutung durch Ziegen würde dieses idyllische Bild heute vielleicht ganz anders aussehen, denn die Tiere verhindern, dass sich Sträucher wie Schlehe und Weißdorn ausbreiten und seltene Pflanzenarten verdrängen. Um das zu gewährleisten, müssen die Schmidts täglich zur Stelle sein, Zäune und Wasserstellen kontrollieren, die Tiere pflegen, ab und an auch mal Geburtshilfe leisten.

„Das machen wir natürlich gerne, ist doch wie Urlaub hier oben“, schwärmt der Zierenberger, der im Alltag als Ver- und Entsorger in der Zierenberger Kläranlage arbeitet. „Die Ziegen sind mein Ein und Alles, und daran wird sich auch so schnell nichts ändern.“

Von Sascha Hoffmann

Quelle: HNA

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