Jagd nach dem kleinen Nager

Tierischer Schwarzfahrer: Die Geschichte mit der Maus im Auto

Northeim. Ende gut, alles gut - so könnte man die tierische Geschichte, die HNA-Redakteur Niko Mönkemeyer in dieser Woche erlebt hat, zusammenfassen.

Hier das Protokoll einer recht ungewöhnlichen Kleinwildjagd, aus Sicht unseres Autors.

Dienstag 17.30 Uhr

Gut, dass es noch keine Videoüberwachung im Auto gibt, denn sonst hätte es jetzt eine Aufnahme von mir gegeben, auf der ich ziemlich dumm aus der Wäsche schaue!

Es ist Redaktionsschluss und ich will nach Hause fahren. Als ich mich hinter das Steuer meines Autos setze, zucke ich zusammen, denn im Auto werde ich von einer süßen Maus erwartet. Das klingt doch erst mal nicht schlecht, wird jetzt so mancher sagen, aber diese Maus ist nur wenige Zentimeter lang, sitzt vor Angst erstarrt am Fenster der Beifahrertür und schaut mich mit großen Augen an.

Dienstag 17.33 Uhr

Nach kurzem Überlegen habe ich einen Verdacht, wie der kleine Schwarzfahrer sich an Bord geschlichen hat: Am Samstag war Großreinemachen im Garten, und ich habe mehrere Säcke Grünschnitt im Auto abtransportiert. Vermutlich befand sich meine kleine Beifahrerin in einem der Säcke und ist während der Fahrt zum Kompostwerk herausgeklettert.

Doch das war keine gute Idee. Die Zeiten, als unsere Kinder noch klein waren und hier und dort ein paar Krümel Essbares im Fußraum zu finden waren, sind schon lange vorbei. Entsprechend abgemagert und entkräftet sieht das Mäuschen jetzt aus. Immerhin hungert es wohl schon seit vier Tagen!

Dienstag 17.35 Uhr

Ich betätige den elektrischen Fensterheber und hoffe, dass der kleine Nager kapiert, dass ich ihm eine Chance zur Flucht geben möchte. Kapiert er aber nicht! Nach einem kurzen Galopp über das Armaturenbrett klettert das geschwächte Mäuschen zwischen Lenkrad und Armaturenbrett und legt schließlich eine Verschnaufpause vor der Tankanzeige ein.

Dienstag 17.37 Uhr

Ich steige vorsichtig aus und hole meine Handschuhe aus dem Kofferraum. Mäuse können ja bekanntlich Krankheiten übertragen. Also Vorsicht! Als ich zurückkomme, starrt sie immer noch auf die Tankanzeige. Ich zwänge meine Hand zwischen Lenkrad und Armaturenbrett und versuche, sie zu fangen - ohne Erfolg. Mit allerletzten Kräften entwischt mir der kleine Kobold, springt hinunter in den Fußraum und verschwindet unter den Sitzen.

Dienstag 17.50 Uhr

Mit Maus an Bord bin ich nach Hause gefahren. Vor der Garage will ich bei besserer Beleuchtung noch einmal nach ihr Ausschau halten. Nachdem ich alle Türen weit aufgemacht und alle Sitze hochgeklappt habe, sehe ich sie noch einmal kurz durch den Fußraum huschen. Aber ich habe keine Ahnung, ob sie den Weg nach draußen gefunden hat.

Dienstag 18.05 Uhr

Ein Apfel soll Licht ins Dunkel bringen. Ich deponiere ihn im Fußraum vor der Rückbank. Wenn die Maus immer noch an Bord ist, wird sie diesen Leckerbissen in der Nacht nicht verschmähen.

Mittwoch 6.35 Uhr

Ein eindeutiger Befund: Die kleinen Mäusezähnchen haben Spuren am Apfel hinterlassen. Die Jagd geht weiter! Jetzt muss also eine Mausefalle her!

Mittwoch 8.44 Uhr

Ich habe mich für eine Lebendfalle entschieden. Als Köder verwende ich ein Stückchen von dem Apfel, der der Maus in der Nacht zuvor schon so hervorragend geschmeckt hat. Ich deponiere die Falle im Fußraum vor der Rückbank und fahre zur Redaktion. Dort erzähle ich natürlich die verrückte Geschichte sofort den Kollegen und sorge damit für viel Gelächter.

Von Kollegin Kathrin erfahre ich von einem ähnlichen Fall, bei dem sich die Maus allerdings durch das Armaturenbrett gefressen hat und schließlich unerreichbar irgendwo zwischen einigen Kabeln verendet war und einen entsprechenden Duft im Auto verströmt hatte. Na, das sind ja tolle Aussichten!

Mittwoch 12.56 Uhr

Maus in der Lebendfalle: Hier ließ sich der kleine Nager noch einmal fotografieren - was blieb ihm auch übrig ;)

Mittagspause. Bevor ich nach Hause fahre, kontrolliere ich die Falle und traue meinen Augen nicht: Die Maus ist tatsächlich hinein gekrabbelt!

Mittwoch 13.45 Uhr

Fotosession in der Redaktion. Kollege Oschmann will die kleine Maus groß rausbringen und drückt mehrmals auf den Auslöser.

Mittwoch 13.53 Uhr

Das Mäuschen kommt wieder auf freien Fuß. Als ich die Falle öffne, versteht sie erst gar nicht, was los ist. Schließlich bemerkt sie doch noch den Ausgang. Sie hüpft heraus, verschwindet hastig zwischen den Büschen und hat jetzt eine neue Adresse: den Park am Northeimer Bleichewall.

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