Swetlana Bräutigam arbeitet als Tagesmutter in Treysa – Derzeit betreut sie acht Kinder

Am Tisch ist Treffpunkt

Ein Platz zum Essen und Plaudern: Tagesmutter Swetlana Bräutigam (48) kocht jeden Mittag für ihre Tageskinder René (14), Johanna (7) und Angelique (13, von rechts). Foto: Rose

Treysa. Es ist kurz nach Zwölf. Swetlana Bräutigam schaut aus dem Fenster. Da taucht als erster René (14) am Gartentürchen auf, dann kommt Johanna (7) aus der Schule, schließlich Angelique (13). Die Kinder ziehen sich Hausschuhe an, waschen sich die Hände, René deckt den Tisch – für das Mittagessen.

„Ich habe Hunger“, ruft Johanna. Und dann dreht es sich am Tisch um Themen, wie in jeder anderen Familie auch: Da geht es um Lehrer, den Unterricht, Verschiebungen im Stundenplan. Tagesmutter Swetlana Bräutigam kennt das schon. „Das Mittagessen ist ein wichtiger Treffpunkt, bei dem nicht nur das Essen, sondern auch der Austausch im Mittelpunkt steht“, sagt die 48-Jährige, die seit 2009 als Tagesmutter arbeitet.

Derzeit betreut sie acht Kinder im Alter von 14 Monaten bis 14 Jahren. Fünf Tage die Woche, von morgens 5.30 bis abends 21 Uhr. Dabei hat jedes Kind andere Bedürfnisse: „Gerade das finde ich an der Arbeit spannend“, erzählt die studierte Betriebswirtin, die selbst zwei erwachsene Kinder hat. 2009 suchte sie für sich eine neue Orientierung und fand die Aufgabe „Kinder über einen längeren Weg zu begleiten“ reizvoll.

Wichtig ist der Treysaerin, dass sie jedem Kind gerecht wird: „Ich habe maximal drei Unterdreijährige“, erklärt sie. Schön sei zu beobachten, dass jüngere Kinder von älteren lernten und umgekehrt. Der Tag beginnt für Swetlana Bräutigam früh: Einige Kinder kommen schon vor der Schule ins Haus. Dann gibts bei Bräutigams erstmal Frühstück, bevor es gemeinsam zu Fuß zum Kindergarten oder in die Schule geht. Am Vormittag ist Zeit für die Jüngsten. Im ersten Stock hat die Tagesmutter ein Spielzimmer eingerichtet. Spielzeug für die Jüngsten liegt in Greifweite, das für Ältere oben im Regal. Ein Bettchen zum Schlafen steht bereit, ein Sofa zum Klettern. Und die Windelkiste: „In der hat jedes Kind seine Windeln, Feuchttücher und alles, was gebraucht wird“, erklärt die 48-Jährige.

Mit Betreuung allein ist es längst nicht getan. Die Tagesmutter achtet auf die Entwicklung jedes Kindes, bei Förderbedarf spricht sie Lehrer und Eltern an. Tagesmütter arbeiteten professionell und qualifiziert. „Das ist mir wichtig“, sagt sie. Immer wieder stehen Fortbildungen an. „Das Angebot richtet sich nicht allein an Tagesmütter, sondern auch an Erzieher“, verdeutlicht sie die Qualität ihrer Arbeit. Alle vier Wochen trifft sich Bräutigam mit ihren Kolleginnen.

Unter der Woche ist der Tag der 48-Jährigen straff organisiert. Unter anderem kocht sie jeden Tag frisch. Manchmal vermisse sie ihre Arbeitskollegen von früher, sagt sie: Aber das, was einem Kinder zurück geben, wiegt vieles auf.“ Bewusst unterstütze sie insbesondere allein erziehende Mütter. „Die könnten auch zum Amt gehen. Stattdessen arbeiten sie und sind ihren Kindern ein gutes Beispiel.“

Von Sandra Rose

Quelle: HNA

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