Elisabeth Bauer hatte bei der ersten Filmvorführung in der Schwalm eine einschneidendes Erlebnis

Tochter sah ihren Vater erstmals im Kino

Tochter und Vater: Elisabeth Bauer hinter der Mühle, in der sie aufwuchs. Dort wurde auch gedreht. Rechts ihr Vater Johann-Heinrich Glintzer in seiner Filmkluft.

Jeden Blick, jede Geste ihres Vaters kostet sie aus: Elisabeth Bauer aus Schrecksbach weiß nicht genau, wie oft sie sich den Film „A Wedding in Hesse“ angesehen hat. „Aber an die 50 Mal waren es bestimmt“, sagt die 67-Jährige. Es ist für sie die einzige Möglichkeit, ihren Vater in lebendigen Bildern zu erleben.

Ihren Kinobesuch im Jahr 1969 vergisst sie nicht. Damals lernte sie ihren im Krieg gefallenen Vater Johann-Heinrich Glintzer kennen. Zumindest schien es ihr so. Er flackerte als Darsteller des 25 Jahre lang in den USA verschollenen Films über die Leinwand der damaligen Neukirchener „Schwalm-Lichtspiele“.

Glintzer war ein Jahr nach den Dreharbeiten, im November 1943, eingezogen worden. Der Bauernsohn war von der Ost-Front nicht heimgekehrt. Fünf Monate nachdem er in den Krieg gezogen war, kam Tochter Elisabeth zur Welt.

Elisabeth Bauer

Als ihr der Holzburger Pfarrer Heinz Metz erzählte, dass er den Film organisiert habe und das sie nun ihren Vater sehen könne, war die damals 25-Jährige ergriffen. Was sie vor 42 Jahren in dem Kino fühlte, kann Elisabeth Bauer nicht beschreiben. „Ich habe geweint.“ Aber alles sei so schnell gegangen und die Szenen, in denen ihr Vater als weiß gekleideter Reiter den Hochzeitszug anführt, huschten nur so über die Leinwand.

Anschließend musste der zunächst nur ausgeliehene Film wieder in die USA zurück und die Tochter bekam ihren Vater erstmal nicht mehr zu Gesicht. Erst später kaufte der Landkreis den Film aus Amerika.

Nicht nur für Bauer war die mit einem Vierteljahrhundert Verspätung stattfindende deutsche Uraufführung emotional. Viele Menschen lachten, als sie ihre Verwandten und Bekannten als junge Männer und Frauen erblickten, andere vergossen Tränen um inzwischen Verstorbene.

Heute hat Elisabeth Bauer den Film auf DVD. Ihre Lieblingsszene ist die, wo ihr Vater Schnaps an zwei Burschen ausschenkt, die nach alter Tradition den Hochzeitszug stoppen und Wegzoll fordern. (bal)

Quelle: HNA

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