Stehender Applaus für die Aufführung des Bachschen Weihnachtsoratoriums in der Marienkirche Homberg

Tolle Stimmen, solo und im Chor

Ein 90-köpfiges Ensemble: Kammerorchester und Kantorei samt Projektchor führten in der Homberger Marienkirche das Weihnachtsoratorium auf. Links die Leiterin Birgit Käfer. Foto: Auerbach

Homberg. Erst schafften Paukenschläge die Aufmerksamkeit, dann frohlockten Oboen, Flöten und Streicher und es strahlten die Trompeten. Schließlich forderte der imposante Eingangschor nachdrücklich und klangvoll: „Jauchzet, frohlocket, auf, preiset die Tage“.

Zur Eröffnung des Weihnachtsoratoriums von Johann Sebastian Bachs galt der vierstimmige Jubel in der vollbesetzten Ev. Stadtkirche St. Marien in Homberg dem Mysterium der Geburt Jesu. Für die Aufführung am dritten Advent verstärkte Bezirkskantorin Birgit Käfer die Kantorei mit einem Projektchor und gruppierte dazu vier engagierte Solisten mit ausdrucksstarken Stimmen.

Ein Trompetenensemble und das bewährte Kammerorchester Accompagnato aus Kassel vervollständigten den 90-köpfigen Klangkörper.

Großartige Aufführung

Birgit Käfer behielt den Überblick und gab der großen Musikergruppe mit Handzeichen und Taktstock Impulse. In der Aufführung war Tenor Martin Post besonders gefordert. Mit kräftigem Sprechgesang führte er durch das Oratorium. Und er glänzte mit beweglicher Stimme in der gesanglich anspruchsvollen Arie „Frohe Hirten, eilt, ach eilet“ zusammen mit der Querflöte.

Einige Stellen aus der großartigen Aufführung sind hervorzuheben. Da sang der Chor gefühlvoll und Herz berührend in der ersten Kantate den feierlichen Choral „Wie soll ich dich empfangen“. Und auch der Bass von Thomas Wiegand beeindruckte, wie er die Majestät Gottes pries, zusammen mit Orchester und Trompeten in der Arie „Großer Herr, o starker König“.

Die zweite Kantate leitete das Orchester mit der „Sinfonia“ ein. Mit einem zauberhaft warmen Klangbild führte das Ensemble in die Welt der Hirten. Pauken und Trompeten schwiegen dabei. Das Wiegenlied der Maria „Schlafe, mein Liebster, genieße der Ruh´“ sang Altistin Mechthild Seitz innig und empfindsam. Worauf der Chor das „Ehre sei Gott in der Höhe und Frieden auf Erden“ jubelte.

In der Schlusskantate riefen Chor und Trompeten in „Herr, wenn die stolzen Feinde schnauben“ zum Kampf gegen die Feinde auf. Traudl Schmaderer entlarvte mit hellem Sopran die Hinterlist des Herodes im Rezitativ „Du Falscher, suche nur den Herrn zu fällen“. Und Trost und Hoffnung verströmte der Chor im Schlusschoral „Nun seid ihr wohl gerochen“, den das Orchester und die glanzvollen Trompeten abschlossen.

Seit Mai des Jahres bereitete Birgit Käfer den Chor und die Aufführung vor. Durch Hinweise zur Bachschen Kompositionstechnik, zur Struktur der Stücke und zu der Bedeutung der Texte erhielten die Vokalisten Zugang zum Werk. Hoch konzentriert und von den Instrumenten in barocker Leichtigkeit und transparent begleitet, ließen die Sängerinnen und Sängern die Botschaft des Oratoriums in vier festlichen Klangbildern aufblühen. Die Kantorei demonstrierte ihr Können.

Die bewegende musikalische Einstimmung auf Weihnachten belohnten die Zuhörer im Stehen und mit viel Applaus.

Von Michael Auerbach

Quelle: HNA

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