Auch Eltern aus Schwalm-Eder-Kreis betroffen

Totes Frühchen: Krankenschwester auf freiem Fuß - Eltern fassungslos

Eine frühere Krankenschwester der Marburger Uni-Klinik ist aus der Untersuchungshaft entlassen worden. Sie war verdächtigt worden, Frühchen mit Narkosemittel vergiftet zu haben.

In diesem Zusammenhang war auch ein Baby aus dem südlichen Schwalm-Eder-Kreis exhumiert worden. Nun äußert sich die Rechtsanwältin dieser Eltern, Silke Heissenberger, gegenüber der HNA.

Ein Gutachten habe bestätigt, dass auch diesem Baby Medikamente verabreicht worden seien. Angesichts der Entlassung der Krankenschwester aus der Untersuchungshaft seien die Eltern des toten Babys fassungslos, sagt die Schwalmstädter Rechtsanwältin. Sie kritisiert das aktuelle Vorgehen der Staatsanwaltschaft. Diese habe mitgeteilt, nun die Krankenakte des verstorbenen Kindes auszuwerten. Für Heissenberger unverständlich: Erst jetzt, nach der Freilassung der jungen Frau, untersuche die Staatsanwaltschaft die Krankenakte.

Nach Angaben der Anwältin habe die Krankenschwester vor und nach dem Tod des Babys den persönlichen Kontakt zu den unwissenden Eltern - unter anderem über Facebook - gesucht. Als es dem Baby zeitweise schlechter ging, verfasste sie eine Postkarte im Namen des Kindes. Später bat sie, an der Beerdigung teilnehmen zu dürfen. Sie habe sogar ein Holz-Herzchen in den Sarg gelegt. Die Eltern brachten die Krankenschwester zunächst nicht mit dem Tod ihres Kindes in Verbindung. Als sie aus den Medien von der Verhaftung eines „Todesengels“ erfahren haben, seien sie aus allen Wolken gefallen.

Wie die Anwältin berichtet, sind die Eltern von der Schuld der ehemaligen Krankenschwester überzeugt. „Wir haben ihr unser kostbarstes Geschenk anvertraut. Wir werden für unsere Tochter kämpfen“, habe die Mutter ihr gegenüber erklärt.

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Hintergrund: Tötungsdelikt nicht nachzuweisen 

Bundesweit erregte dieser Fall Anfang des Jahres Aufsehen: Eine Kinderkrankenschwester sollte versucht haben, am Marburger Uni-Klinikum Frühchen mit Narkosemittel zu töten. Sie wurde in dieser Woche auf Antrag der Staatsanwaltschaft aus der Untersuchungshaft entlassen. Die Begründung der Staatsanwaltschaft: Ein Tötungsdelikt sei derzeit nicht nachzuweisen. Es sei davon auszugehen, dass drei Frühchen ein Beruhigungs- und einem davon auch ein Narkosemittel verabreicht worden seien. Die Frau habe allerdings in allen Fällen sofort Hilfe gerufen oder selbst versucht, das Leben der Kinder zu retten. Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft werden fortgesetzt.

Quelle: HNA

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