Mit einer Deutschland-Kuh auf Tour für faire Milch

Gudensberg/Braunau. Otto Schöneweis erregt Aufmerksamkeit mit seiner lebensgroßen, etwa 90 Kilo schweren Kuh in deutschen Farben und auf Rollen, die er hinter sich her zieht. Genau das ist auch seine Absicht.

Der Milchbauer aus dem Bad Wildunger Ortsteil Braunau wirbt mit spektakulären Aktionen für die „Faire Milch“ regionaler Produzenten, die es inzwischen in manchen Supermärkten gibt und die bessere Preise für die Landwirte garantiert.

Am Freitag war Schöneweis zu Fuß von seinem Wohnort Braunau bis nach Kassel unterwegs, im Schlepptau immer die schwarz-rot-goldene Plastikkuh. Nachts um 2 Uhr war er aufgebrochen und schließlich über Bad Wildungen und Fritzlar gegen 8.30 Uhr bis nach Gudensberg gekommen.

„Unterwegs spreche ich die Menschen an, verteile Informationsbroschüren und erzähle von meinen bisherigen Aktionen“, sagte der 55-Jährige, der am Rathaus einen Stopp einlegte. Gespräche über sein Anliegen, Informieren über die Bedeutung der traditionellen Landwirtschaft, darum geht es ihm.

Die letzte Milchkuh

Beim zufälligen Treff mit Gudensbergs Bürgermeister Frank Börner traf Schöneweis auf offene Ohren: Der Verwaltungschef erzählte, dass er der letzte Milchkuhhalter in seinem Dorf gewesen sei. „Da hängt mein Herz dran“, sagte er. Faire Preise für die Milchbauern seien eine Notwendigkeit. Die „Faire Milch“ koste zwar etwas mehr, garantiere aber auch den Landwirten mit 40 Cent pro Liter einen kostendeckenden Preis. Andere Molkereien zahlen lediglich 25 bis 30 Cent.

Bis nach Köln ist Schöneweis schon gelaufen, immer in seinen bunten holländischen Holzschuhen. Seit August 2010 bringt er es auf mehr als 350 Kilometer. Am Freitag war er jedoch zum ersten Mal mit der großen Kuh unterwegs, unübersehbar immer die Straße entlang. In Kassel hatte er Termine mit einem Radiosender und hoffte auf ein Gespräch im Rathaus, wie in Gudensberg

Auch wenn die faire Milch dieses Mal im Vordergrund steht: Der 55-Jährige macht sich zusätzlich stark für die bäuerliche Landwirtschaft. Mit Agrarfabriken und Gentechnik hat er nichts am Hut. Er betreibt in Braunau einen Hof mit etwa 70 Milchkühen und 55 Kälbern.

Selbst gereimte Gedichte

Wer solche Aktionen plant, darf natürlich nicht auf den Mund gefallen sein. Schöneweis hat mit der Kommunikation kein Problem: Er verteilt nicht nur seine Flyer, er hat auch jede Menge selbst Gereimtes auf Lager. Seine Gedichte handeln von den Bauern und ihrem Leben.

Das ist manchmal sogar richtig witzig. Und sogar international: Der sprachgewandte Landwirt kann seine Verse sogar auf Englisch, Französisch und Russisch vortragen.

Quelle: HNA

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