Touristik-Wache teurer - Stadtparlament akzeptiert erhebliche Mehrkosten

Die Stadtverordneten Schwalmstadts bissen in ihrer 49. und letzten Sitzung der Wahlperiode in den sauren Apfel: Vor vielen Zuhörern akzeptierten sie in der Kulturhalle erwartungsgemäß die Mehrkosten für den Touristikstandort Neue Wache am Paradeplatz.

Leichter fiel das, weil Schwalmstadt aus dem eigenen Säckel „nur“ etwa 47.500 Euro zu den Mehrkosten beitragen muss, 75 Prozent stammen aus Fördergeld (Stadtumbaumittel).

Die Alternative wäre allein die Einstellung des begonnenen Projekts gewesen, denn Einsparmöglichkeiten gibt es laut Beschlussvorlage nicht.

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Die Zustimmung war am Ende sehr groß, 29 Stadtverordnete hoben die Hand dafür, vier sagten Nein (FWG) und Linke), es gab eine Enthaltung.

Zum Beschluss gehört der in den Ausschüssen erarbeitete Zusatz, dass Schadensersatzansprüche gegenüber dem Architekten geprüft beziehungsweise geltend gemacht werden sollen.

Der Erste Stadtrat

Detlef Schwierzeck, der den erkrankten Bürgermeister Dr. Näser vertritt, stellte seinen Beitrag unter die Überschrift „Neue Wache - Traum oder Albtraum?“ und gab einen Abriss über die Beschlüsse zur Neuen Wache seit 2014.

Heftig kritisierte er den HNA-Artikel über die vorbereitenden Ausschusssitzung, dieser habe „viel Porzellan in der Stadt zerschlagen“.

Wir hatten berichtet, dass in den Ausschüssen zum Teil Entrüstung über die Kostenentwicklung und ihre Ursachen herrschte. Die Gesamtkosten für den Touristikstandort könnten sich am Schluss auf 700.000 Euro oder mehr belaufen.

Die FWG

„Wir fühlen uns veräppelt“, sagte FWG-Fraktionsvorsitzende Christel Bald, die Schäden hätten vorher ermittelt werden sollen. Sie erinnerte daran, dass Kaufpreis und Ausstattung noch nicht eingepreist seien.

Bündnis 90/Die Grünen

„Bei den ersten Zahlen und Vorlagen bin ich künftig skeptischer“, sagte Dr. Jochen Riege. Bei fehlerhaften Kostenvoranschlägen glaubt er an Systemfehler.

Die Linke

Heidemarie Scheuch-Paschkewitz sprach von einem Prestigeobjekt vergleichbar der Elbphilharmonie und dem Berliner Flughafen, die Kosten gingen absurd in die Höhe.

Die SPD

Fraktionschef Michael Schneider wollte zur „Ehrenrettung des Gebäudes“ beitragen, „ein hochrangiges Kulturdenkmal“. Der alte Eigentümer, der Schwälmer Heimatbund, hätte den Erhalt kaum stemmen können. Mit einem Eigenanteil von rund 50.000 Euro komme die Stadt mit einem „blauen Auge davon“.

Die CDU

Zähneknirschende Zustimmung signalisierte CDU-Fraktionschef Karsten Schenk. „Ärgerlich“ sei die Angelegenheit, doch gehe es ums Baudenkmal, das letztmals vor 50 Jahren saniert worden sei. Der Ort sei richtig ausgewählt.

Die FDP

Sprecher Dr. Constantin Schmitt forderte, dass die Stadt „Kompetenz aufbauen“ muss für das Schließen von Verträgen und die Prüfung von Angeboten. Es sei an der Zeit, ein Exempel zu statuieren, „dass wir so etwas nicht mit uns machen lassen“. Für Frank Pfau kam der Kasseler Architekt seiner Hinweis- und Aufklärungspflicht nicht nach.

Die Kosten

Kostenschätzung Februar 2015: 315.000 Euro

• Mehrkosten laut Architekturbüro Sprengwerk (Stand heute):

141.000 Euro

• Die Mehrkosten bedingen eine Erhöhung der Honorare (Baunebenkosten) auf brutto 574.000 Euro (plus 259.000 Euro gegenüber der ersten Kostenschätzung).

• Hinzu kommen noch der Kaufpreis, die Möblierung und die technische Ausstattung der Arbeitsplätze.

• Die Mehrkosten entstehen in etlichen Gewerken, durch umfangreichere Schäden am Gebäude, als zunächst erwartet, und durch höhere Kosten für einen barrierefreien Eingang.

Quelle: HNA

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