Trabis in der Schwalm: Hilfe für DDR-Übersiedler

Über die Grenze: Viele Menschen kamen im November 1989 in die Schwalm, einige von ihnen blieben hier. Foto:  Repro

Schwalm. Es mangelte an vielem: Kleidung, Spielsachen und vor allem Wohnraum. Doch in der Schwalm wurde gern gegeben und geholfen.

Als im November 1989 die Mauer fiel und viele Menschen aus der DDR in die Region kamen, packten die Schwälmer mit an. Wir haben für Sie in den Ausgaben von vor 25 Jahren geblättert.

Die Bundeswehr räumte in Schwarzenborn zwölf Gebäude der Kaserne leer. Dort fanden 950 Menschen aus der DDR eine erste Unterkunft. Soldaten hielten sich bereit, um die Menschen vom Bahnhof Treysa in die Notunterkünfte zu bringen, sie kamen mit Sonderzügen aus Prag dort an. Auch das DRK und die Kirche halfen bei der Versorgung. Drei bis fünf Tage lang kamen die meisten auf dem Knüll unter, danach wurden die Übersiedler nach einem Schlüssel auf die Bundesländer verteilt.

Auch in Frielendorf kamen 600 Menschen aus der DDR unter. Nach Fritzlar und Schwarzenborn war das Feriendorf am Silbersee der dritte Ort im Landkreis, wo die Menschen Zuflucht fanden. Für maximal vier Jahre sollte ein Teil der Ferienhäuser damals als Unterkunft für Übersiedler genutzt werden. 30 neue Ferienhäuser sollten zusätzlich gebaut werden. In Spieskappel wurde eine Kleiderkammer eingerichtet.

Auch das Wohnheim Kellerwald in Lischeid wurde erweitert. Doch kamen 100 Aussiedler und DDR-Übersiedler unter. Die ehemalige Jugendherberge wurde für eine Million Mark umgebaut.

Nach dem Mauerfall öffneten auch die Geschäfte in Schwalmstadt und Neukirchen sonntags. In Treysa waren besonders Kassetten, Radiorecorder und günstige Stereoanlagen gefragt. Die Kunden kamen damals aus Eisenach und sogar Jena, aber auch aus der Region, bilanzierte Hans Georg Beckers, damals Vorsitzender der HGV. Auch das Begrüßungsgeld wurde in der Schwalm ausgezahlt, neben den 100 Mark vom Bund, legten Landkreis und Stadt jeweils 20 Mark dazu.

Tage später kamen auch 260 Übersiedler in der Treysaer Harthbergkaserne an. Die Bundeswehr appellierte dafür, leeren Wohnraum zur Verfügung zu stellen.

Aus Kneipe wurde Bücherei

Statt Hochprozentiges Hochgeistiges: Die ehemalige Ratsschenke gegenüber des Treysaer Rathauses wurde zur Stadtbücherei. 600 000 Mark ließ sich die Stadt damals die Sanierung des Gebäudes kosten. Ins Obergeschoss sollte die Stadtkasse einziehen, die bis dato im alten Gebäude der Stadtsparkasse an der Mainzer Brücke untergebracht war. Auch für dieses Gebäude gab es neue Pläne: Dort sollte ein Jugendzentrum entstehen.

Die Gemeinde Ottrau verabschiedete eine Resolution gegen den Bau eines Sprengstoffdepots im Kernort. Man habe seine Pflicht mit dem Nato-Depot bereits erfüllt und in Zeiten allgemeine Abrüstung sei solch ein Bau nicht mehr vonnöten, hieß es damals.

Von Claudia Schittelkopp

Quelle: HNA

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