Tracht ging mit der Mode

Volkskunst und Handwerk gab es beim „Lebendigen Museum“ zu bestaunen

Ziegenhain. Ein Feiertag im doppelten Sinne erlebten am Donnerstag die Besucher des „Lebendigen Museums“ in Ziegenhain: Das Museum der Schwalm öffnete seine Pforten zu Musik, Tanz, Modenschau und Handwerkskünsten.

Mit dabei waren mehr als 75 Trachtenträger der Schwälmer Tanz- und Trachtengruppe Loshausen, der Rotkäppchen Trachtengruppe aus Schrecksbach sowie der Gitarrengruppe des Knüllgebirgsvereins Ziegenhain.

In kurzweiliger Folge bereicherten die Mitglieder den Tag, ließen sich beim Sticken über die Schulter schauen und präsentierten eine Flachsstraße, die zeigte, wie Flachs zum Leinen wird. Moderiert wurde das Programm im Wechsel von Museumsleiter Konrad Nachtwey, Anja Wimmer aus Loshausen und Roland Lahr aus Schrecksbach. Aufmerksam beobachteten die Gäste Regina Bätz-Eiffert, die ihre Enkelin Lea Kriesten (11) in Tracht kleidete. Ihr zur Seite stand die achtjährige Johanna Kriesten, die Nadeln, Schnüre und Kappe reichte.

Zuvor hatten sich die Jüngsten der Trachtengruppe zu den Klängen von Akkordeonspielerin Alexandra Ries übers Parkett gedreht.

Sophie Koch aus Loshausen und Tabea Sander aus Rölls- hausen waren pünktlich zum Erntedankfest in die Kleidung von Konfirmandin und Vorkonfirmandin geschlüpft. Roland Lahr von der Trachtengruppe Schrecksbach gewährte neue, einzigartige Einblicke in die Tracht: Er moderierte eine Schwälmer Modenschau, in der überwiegend alte und seltene Stücke der traditionellen Kleidung zu sehen waren. „Die Schuhe und Schnallen haben sich nicht verändert, wohl aber die Röcke. Sie waren zu Zeiten des Malers Ludwig Emil Grimm länger“, erläuterte Lahr. Eine Seidenschnur habe als Schürzenband gedient, die Stickerei des Mieders sei altmodischer und fester gewesen. Früher hätten zur Tracht breitere Kappen gehört, statt Seidentücher wurden häufig einfachere, bedruckte Tücher benutzt.

Unterschiede gab es auch in der Männertracht: Blaue Westen und Dreimaster imitierten den barocken Stil, der weiße Mantel – der als Reitermantel bekannt ist – sei ursprünglich Alltagsgewand und Vorläufer des heutigen Männerkittels gewesen, sagte Lahr. Getragen wurde die alte Tracht bis 1850.

Von Sandra Rose

Lebendiges Museeum in Ziegenhain

Lebendiges Museum in Ziegenhain

Quelle: HNA

Kommentare