170-jähriges Bestehen – Ausstellung zur Vereinsgeschichte im Rathaus

Zierenberger Gesangverein: Tradition flirtet mit der Moderne

In Aktion: Chorleiter Andreas Kowalczyk dirigiert den Gesangverein Zierenberg. Dieser kann auf eine 170-jährige Vereinsgeschichte zurückblicken. Fotos: Uminski

Zierenberg. Der Gesangverein Zierenberg 1843 feiert in diesem Jahr sein 170-jähriges Bestehen. Anlässlich des Geburtstages eröffnete der Verein eine Ausstellung zu seiner Geschichte im Zierenberger Rathaus. Diese ist bis zum 12. Mai zu sehen.

Zu den Gästen bei der Ausstellungseröffnung gehörten Bürgermeister Stefan Denn, Regierungspräsident Dr. Walter Lübcke und Landrat Uwe Schmidt.

Spannend und ereignisreich war die Geschichte des Vereins seit seiner Gründung. Eine Überraschung erlebten die Vereinsmitglieder im Jahre 1992. Denn bis zu diesem Zeitpunkt war man sich sicher, dass der Verein seit 1860 existiert. „Bis 1992 ein Amateurhistoriker aus Dörnberg bei Recherchen über seinen Heimatort im Staatarchiv Marburg auf Unterlagen stieß“, sagt Vereinschef Hans-Joachim Stricker. „Diese belegten, dass der Verein älter ist.“ Aus den Unterlagen ging hervor, dass der Gesangverein Zierenberg bereits im Jahr 1843 gegründet worden war.

Fahne ging verloren

Beide Weltkriege brachten das Vereinsleben völlig zum Erliegen. Erworbenes Notenmaterial des Vereins musste in Kassel bei den Behörden abgeliefert werden. Auch die Vereinsfahne von 1861 ging verloren. Einen Neuanfang des Vereins gab es 1947. Damals als Sparte des Turn- und Sportvereins. Zwei Jahre später wurde der Verein selbstständig.

Dokumente brachte Klarheit: In dem Brief vom 31. Januar 1853 schrieb der damalige Bürgermeister Vogt an das kurfürstliche Landratsamt in Wolfhagen. Aus dem Schriftstück geht hervor, dass vor circa 10 Jahren sich ein Gesangverein herausbildete.

Ein richtiges Urgestein des Vereins ist Isolde Becker. Die 75-Jährige ist bereits seit 60 Jahren aktives Mitglied des Vereins. „Meine Eltern, meine Geschwister und Brüder waren im Gesangverein“, erzählt sie. Da war für die Zierenbergerin klar, dass sie in die Fußstapfen ihrer Familie trat. „Ich bin nicht notensicher“, sagt die 75-Jährige. „Aber es geht, wie man sieht.“

Besonders positiv äußert sich Isolde Becker über den Chorleiter Andreas Kowalczyk. „Er hat schon Einiges aus uns herausgeholt“, sagt Isolde Becker. „Er spielt die Lieder mit seiner Querflöte vor, und wir singen es nach.“ Besonders stolz ist die Zierenbergerin über die Auszeichnungen, die der Gesangchor bereits erhalten hat. „Bei dem Gesangswettbewerb haben wir das Prädikat Leistungs-chor erhalten.“ 2005 nahm der Chor am Wertungssingen des Mitteldeutschen Sängerbundes in Hann. Münden teil. 2009 erhielt er sogar das Prädikat Konzertchor.

Gerne erinnert sich Isolde Becker auch an die Spinnstubenabende, die nicht nur gesangliches, sondern auch schauspielerisches Können abverlangten. „Das ist dann eingeschlafen, weil unsere Ansprüche auch immer höher wurden“, sagt die 75-Jährige. „Irgendwann waren die Ausgaben höher als die Einnahmen.“ Denn neben dem Beschaffen von Perücken, wurden die Kostüme selbst genäht.

Auch wenn der Verein einer der ältesten Vereine in Zierenberg und aus dem kulturellen Leben der Stadt gar nicht wegzudenken ist, kämpft auch er gegen die Nachwuchsprobleme. „Man muss ideenreich und unterhaltsam sein“, sagt Chorleiter Andreas Kowalczyk.

Von Johanna Uminski

Quelle: HNA

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