77 Männer, Frauen und Kinder leben derzeit im Asylbewerberheim am Harthberg

Kaffeetafel im Asylbewerberheim: Die Kinder haben sich davor zum Foto aufgestellt, im grünen Pullover der zwölfjährige Zuleiman Abdul. Elf Kinder von Asylsuchenden leben derzeit in dem Haus auf dem Harthberg. Fotos: Quehl

Schwalmstadt. Als im September Dutzende Polizisten die Räume des Asylbewerberheims am Treysaer Harthberg durchsuchten, war Zuleiman noch in Somalia. Vor vier Monaten zog er mit seiner Mutter und seinem Bruder ein. Mit ihnen und weiteren 74 Männern, Frauen und Kindern lebt er jetzt unter einem Dach.

Denkt er an Somalia zurück? Zuleiman schüttelt den Kopf und sagt: „Ich möchte gern hier Freunde finden, die Lehrer sagen, ich kann bald auf eine andere Schule gehen!“ Der höfliche Junge, der fürs Erste die Lernehilfeschule St. Martin besucht, spricht nach den wenigen Wochen gut Deutsch, wirkt sehr intelligent und gewandt.

Für die somalische Kleinfamilie stehen die Aussichten im fremden Deutschland besser als für viele andere Bewohner. Nächstes Jahr können die Abduls vielleicht schon in eine eigene kleine Wohnung übersiedeln.

Davon träumt auch Mohamed H. Vor acht Jahren kam er aus dem Jemen und lebt seither in dem Treysaer Heim. Wie Hussein Hassel S., der vor einem Jahr allein aus dem Irak nach Deutschland reiste. Mit zwei Rauchern muss sich der atemwegserkrankte 29-Jährige einen Raum im zweiten Stock teilen, sagt er. Die derzeit vier Familien wohnen im Erdgeschoss, darüber sind die Frauen und Mädchen einquartiert. Ein Neugeborenes lebt in dem Heim, außerdem ein Baby von drei Monaten. Der augenblicklich älteste Bewohner ist 43 Jahre alt. Viele von ihnen kommen gern alle 14 Tage mittwochs zur Kaffeetafel des Arbeitskreises Toleranz und Menschenwürde zusammen.

Denn die Gelegenheiten, mit Deutschen zusammen zu treffen, sind für die Fremden rar, der Arbeitskreis bildet eine lebendige Brücke. Jeden Abend bringt ein Fahrdienst des Arbeitskreises Brot ins Heim, eine Spende der Stadtbäckerei Möller. Es sind die nicht verkauften Reste vom Tag.

Auch andere Dinge werden ab und zu verteilt, zum Beispiel Gutscheine zum Telefonieren im Internet (siehe Kasten „Spenden“). „Wir bieten Hilfe an, aber wir zwingen sie niemandem auf“, sagt Klaus Schubert. Der Treysaer ist von Anfang an, seit 1992, beim Arbeitskreis. Begleitung zu Arztterminen, die Weihnachtsfeier, die Einladung zum Fest der Begegnung beim Weindorf, die Fahrradaktion zusammen mit der Frankenhainer SPD - in zwei Jahrzehnten hat sich vieles entwickelt und bewährt.

Von Anne Quehl

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Quelle: HNA

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