Niederurff: Trafohaus ist Rückzugsort und Industrie-Denkmal

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Dr. Stefan Pollmächer vor dem Trafohäuschen in Niederurff, das er für seine Söhne umbaute. Das Gebäude ist auch Industriedenkmal.

Niederurff. Wo lange Zeit der Strom in Niederurff für das ganze Dorf zusammenlief, und für die Haushalte umgewandelt wurde, stehen heute ein Schreibtisch und zwei Betten, allerdings auf drei Etagen verteilt.

Statt der Ladung Strom werden dort heute Hausaufgaben produziert und Freunde zum Übernachten eingeladen.

Dr. Stefan Pollmächer baute das Trafohäuschen in Niederurff für seine Söhne Paul und Jona (10 und 12) um, die es seitdem als Rückzugsort nutzen. Dafür müssen sie von der Alten Pfarrei mitten im Ort nur ein paar Schritte weiter an die Urff gehen und haben dort ihre Ruhe vor den Eltern. Für Pollmächer ist das aber mehr. Der Kunstliebhaber wollte das Trafohäuschen im Ort vor allem als Kulturdenkmal erhalten. "Trafohäuschen gehören zu den Industriedenkmälern. Ich möchte, dass diese Zeugen erhalten werden und habe das Haus daher selbst gekauft", sagte er. Das Niederurffer Trafohäuschen besteht aus einem Sandsteinturm mit Basaltmauer, der um 1930 gebaut wurde.

Er wollte es zunächst gemeinsam mit der Gemeinde Bad Zwesten umnutzen. Es fand sich aber keine Verwendung. So folgte Pollmächer allein seiner Idee. Auf 2,5 mal 2,5 Qudratmetern und in einer Höhe von zehn Metern entstand dann das ungewöhnliche Freizeitdomizil für die Jungen. Es ist relativ karg eingerichtet, nur wenig wurde verändert. Pollmächer war es wichtig, die Ursprünglichkeit des Gebäudes zu erhalten. "Ein Fenster im Erdgeschoß wurde eingebaut", sagte er. Pollmächer zog zwei Holzböden in den zehn Meter hohen Turm, so gab es drei Zimmer, die oberen Etagen sind über eine steile Eisenleiter zu erreichen und ergibt auf 15 Quadratmetern ein kleines Abenteuerterrain zum Spielen und Abhängen.

Das Klappbett und eine kleine Truhe- mehr passt nicht in eine Etage. Pollmächer hatte im Vorfeld viele umgebaute Trafohäuschen im ganzen Land besichtigt. Auch die Denkmalpflege in Marburg war überzeugt, die Mitarbeiter schauten sich das Gebäude an und nahmen es in die Liste der Industriedenkmäler auf, erzählte Pollmächer.

In Westdeutschland gibt es eigens eine Vereinigung, die sich um den Schutz der Trafohäuschen bemüht. Die private Initiative aus Nordrhein-Westfalen, beschäftigt sich auf ihrer Homepage unter www.trafoturm.eu mit Trafotürmen.

Dort sind die skurrilsten Umbauten aus ganz Europa abgebildet, teilweise wurde sie umgenutzt oder als Kunstobjekte gestaltet.

Von Christine Thiery

Quelle: HNA

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