Ursel und Thomas Wagner haben 30 Jahre lang erfolgreich eine Turnabteilung geleitet

Trainer mit Takt und Herz

Zwischen Sprungkästen und Schwebebalken: Ursel (79) und ihr Mann Thomas (75) Wagner leiteten drei Jahrzehnte die Turnabteilung im Sportverein Grün-Weiß Lenderscheid. Foto: Rose

Lenderscheid. Ursel und Thomas Wagner waren nicht nur bis zu ihrer Pensionierung vor 16 Jahren Lehrer. Die beiden waren mehr als 30 Jahre auch Trainer im Grün-Weiß Lenderscheid. Die ambitionierten Pädagogen und Sportler gründeten eine eigene Turnabteilung – und leiteten sie bis zu ihrer Auflösung 2010 mit großem Erfolg. Ursel und Thomas Wagner blicken zurück: Auf drei Jahrzehnte zwischen Sprungkästen und Schwebebalken, Liebeskummer und Leistungen.

1962 wurden Wagners – er hatte in Jena, sie in Frankfurt studiert – als Lehrerehepaar in den Schuldienst nach Nordhessen berufen. Nach Spieskappel und Großropperhausen arbeiteten beide an der Palmbergschule in Frielendorf, Thomas Wagner wurde 1980 Rektor. Doch der Schulsport waren dem begeisterten Fußballer und der Basketballerin zu wenig. „Und eine Turnabteilung gab es damals weit und breit keine“, erzählt das Paar. 50 Kinder zog das Training anfangs an, 20 bis 25 blieben bei der Stange. „Meine Frau war die Resolute, ich der Nette“, beschreibt der 75-Jährige den Trainingsstil.

Zwei bis drei Mal pro Woche ging es für Trainer und Sportler fortan in die Halle – auch in den Ferien. Wagners bildeten sich permanent weiter: Technik-Lehrgänge, Schulungen, Prüfungen bis hin zu Kampfrichter-Lizenzen des Landes Hessen.

„Wir wollten uns nie profilieren“, sagen beide. Am Herzen habe ihnen vielmehr nicht nur jede einzelne Turnerin gelegen, sondern ihre gesamte Persönlichkeit. „Wir hatten immer die schulischen Leistungen der Mädchen im Blick – die gingen vor“, sagt Ursel Wagner (79). Und so gab es zwischen dem Training so manche kostenlose Nachhilfestunde.

„Ich hatte mehr als ein Mal einen nass geweinten Trainigsanzug“, erinnert sich Thomas Wagner. Denn auch bei Liebeskummer waren die Trainer häufig die ersten, denen die Mädchen ihr Herz ausschütteten. Freud und Leid haben Wagners mit ihren Sportlerinnen geteilt – bei Hessischen Meisterschaften, Jugend trainiert für Olympia und regionalen Wettbewerben.

Gefordert war Disziplin

Trotz aller Fürsorge bekamen die Turnerinnen bei Wagners nichts geschenkt. „Wir haben Disziplin und eisernen Willen gefordert“, sagt Ursel Wagner. „Aber auch nie eine Auseinandersetzung gescheut“, fügt ihr Mann hinzu. Ihr Credo: „Wer es im Sport fertig bringt, sich zu überwinden, der kann auch schulisch und beruflich Höchstleistungen vollbringen.“ Sie hätten stets versucht, den Mädchen auf Augenhöhe zu begegnen. Dass ihnen das gelungen ist, bestätigt eine der erfolgreichsten Turnerinnen Angelika Wittlif. Die 20-Jährige sagt heute: „Wagners sind nicht meine Trainer. Sie sind meine Freunde.“ 2010 hat das Ehepaar die Trainerlizenz schweren Herzens an den Nagel gehängt. Nachfolger fanden sich nicht. Aber beide lieben auch das Reisen. Und genau das wollen die Senioren jetzt ausgiebig tun.

Von Sandra Rose

Quelle: HNA

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