Nach Brandkatastrophe in Zimmersrode

Die Trauer lähmt ein ganzes Dorf: Auch 31-jährige Mutter gestorben

Zimmersrode. Jetzt ist traurige Gewissheit, was befürchtet wurde: Der Wohnhausbrand in Zimmersrode hat drei Todesopfer gefordert. Auch die Mutter der nach dem Großbrand am Donnerstag verstorbenen zweijährigen Zwillinge ist gestorben, sagt Reinhard Giesa, Sprecher der Polizeidirektion Schwalm-Eder, gegenüber der HNA.

Aktualisiert um 15.20 Uhr

Nachdem der Junge und das Mädchen bereits am Donnerstag und Freitag starben, erlag die Mutter der beiden Kinder am Vormittag im Kasseler Klinikum ihren schweren Rauchgasverletzungen. Das teilte die Polizei am Nachmittag mit.

Warum das Feuer in dem Zwei-Familien-Haus ausgebrochen ist, ist auch am Sonntag noch unklar. Laut Polizei wurde der Brand des Zweifamilienhauses um 15.30 Uhr von einem weiteren Bewohner des Hauses, dem Schwager der Frau, gemeldet. Der 27-jährige Bruder des Familienvaters wurde durch die Feuerwehr über eine Drehleiter aus dem 1. Obergeschoss gerettet. Er erlitt eine Rauchgasvergiftung und wurde ebenfalls in ein Krankenhaus gebracht.

Die Frau und ihre Kinder waren durch einen Rettungstrupp der Feuerwehr bewusstlos aus dem Haus in der Straße Am Teich geholt worden. Die drei wurden zunächst reanimiert und dann weiter ärztlich versorgt. Doch ihr Gesundheitszustand verschlechterte sich wieder – es gab keine Rettung mehr.

Brandruine wie Geisterstätte

Nichts ist in dem Neuentaler Ortsteil Zimmersrode so, wie es einmal war. Trauer dominiert in dem Ort, die Unglücksstelle wirkte am Samstagabend wie eine Geisterstätte, die von tödlicher Stille umgeben ist. Nur wenige Meter vor der Brandruine haben Nachbarn, Freunde und Angehörige Kerzen aufgestellt, an einer Schale mit frischen Frühlingsblumen ein Schriftband mit der Aufschrift „Engel sollen Euch begleiten auf dem Weg ins Paradies“. Daneben Stofftiere und handgeschriebene Botschaften, unter anderem auf großen, weißen Engelsflügeln.

Immer wieder kommen Nachbarn zum Haus, verharren in Gedanken, starren auf das flackernde Kerzenmeer, Erinnerungen werden ausgegraben. Erinnerungen an die Zeit, als das Leben in der Straße am Teich noch in Ordnung war. Tränen fließen.

Schock sitzt tief

Tränen fließen auch am Samstagabend: Zwei Tage nach dem verheerenden Brand fand in der Kirche unter großer Anteilnahme aus der Bevölkerung eine ökumenische Andacht statt. Nach dem Brand, bei dem zwei Kinder ums Leben kamen und ihre Mutter gegen den Tod ankämpft, wie es Pfarrer Peter Zschoche formulierte, sitzt der Schock im Ort und in der Gemeinde sehr tief. Der Zustand der Mutter sei weiter sehr lebensbedrohlich, sagte ein Polizeisprecher noch Sonntag Mittag. Am Nachmittag dann die bittere Gewissheit, dass auch sie das Unglück nicht überlebte.

Welle der Hilfsbereitschaft

Pfarrer Peter Zschoche und Pfarrer Reinhold Lambert versuchten in der voll besetzten Kirche am Samstagabend, die Trauer in Worte zu fassen. Angehörige, Nachbarn, Freunde und Bekannte sind fassungslos, können das Geschehene nicht begreifen. Niemand in der Kirche kann es, niemand im Ort und niemand in der Gemeinde.

Durch die Katastrophe sind die Menschen näher zusammengerückt, sagt Pfarrer Peter Zschoche, eine Welle der Hilfsbereitschaft ist entstanden, alle wollen der betroffenen Familie ihre Anteilnahme ausdrücken und helfen.

Baum der Tränen

Nach Gebeten und Fürbitten hatte die Trauergemeinde symbolische Tränen an einen Baum gehängt, welche ein Symbol der gemeinsame Trauer sein sollen. Danach wurden an der Osterkerze weitere, kleine Kerzen entzündet und im Altarraum aufgestellt – für Mine, Toni und ihre Mama brannten drei Kerzen im Taufbecken.

Zudem gibt es eine große Welle der Hilfsbereitschaft für den verwaisten Familienvater.

Von Peter Zerhau und Maja Yüce

Andacht für Opfer in Zimmersrode

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Quelle: HNA

Rubriklistenbild: © Zerhau

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