Peter und Hanni Wieden fahren mit 75 Jahre alten Fiat Simca

Traum in Rot startet durch bei der „Mille Miglia"

Eine knallrote Leidenschaft: Peter und Hanni Wieden aus Gleichen starten nächste Woche mit ihrem Roadster Fiat Simca 8 Deho Sport beim Langstrecken-Rennen Mille Miglia (1000 Meilen). Die so genannte Mutter aller Oldtimer-Rallyes führt über eine 1600 Kilometer lange Rundstrecke von Brescia über Assisi, Rom und Siena zurück an den Start in der Lombardei. Fotos:  Privat/Brandau

Gudensberg. Die Strecke ist traumhaft schön, aber ob Peter und Hanni Wieden bei der Rallye „Mille Miglia“ (1000 Meilen) Augen für die Schönheit der italienischen Landschaft haben werden, ist fraglich.

Das Ehepaar, das am 16. Mai mit seinem knallroten Fiat Simca 8 Deho Sport in Brescia an den Start geht, wird während der dreitägigen Tour wohl kaum den Blick von Tacho, Stoppuhr und Straße nehmen.

Die Mille Miglia gilt als härteste Herausforderung und damit als Mutter aller Oldtimer-Rallyes - und ist alles andere als eine ausgeruhte Sternfahrt durch den Knüll. „Da fahren alle wie die Henker“, sagt Peter Wieden aus Gleichen. Genau dasselbe hat er auch vor. Wenn er am nächsten Donnerstag mit seiner Frau Hanni als Co-Pilotin ins enge Cockpit seines 75 Jahre alten Simca steigt, will er dessen 60-PS-Motor auf Touren bringen. Der Simca verzeiht das nicht nur, er ist dafür gemacht. Schließlich wurde der Prototyp 1938 für genau diesen Zweck gebaut - für Renneinsätze.

Peter Wieden, Verleger und Gründer des Wartberg-Verlags, liebt Geschichten. Genau die hat sein stromlinienförmiger, handlicher Oldtimer auch - eine lange Geschichte. Das Leichtgewicht, es wiegt 550 Kilo, wurde in Italien gebaut, später in der Provence restauriert, in Sizilien gefahren und in Norddeutschland für zehn Jahre in eine Scheune gestellt. Heute gibt es nur noch zwei andere Wagen des Typs, dessen Konstrukteur bereits 1948 beim Concours d’Élégance den 1. Preis gewann.

Die Wiedens haben das Auto nicht gesucht, sondern es durch Zufall gefunden - und geben es wohl so schnell nicht wieder her. Seit drei Jahren geht der 59-Jährige mit seiner Frau bei historischen Rallyes auf Tour. Die Mille Miglia wird eine Premiere. Eine, der die Wiedens geradezu entgegen fiebern: „Diese Veranstaltung ist das non plus ultra für Oldtimerfans.“

Das beweisen auch die Menschenmassen, die entlang der 1600 Kilometer langen Strecke zu jeder Tages- und Nachtzeit an den Straßen stehen, sagt Wieden und berichtet von der Volksfeststimmung, die in allen Orten herrsche, die der Tross ansteuere.

Den Fahrern aber sei nach den Etappen alles andere als zum Feiern zumute. Bei der Rallye geht es um Zeitvorgaben, Geschicklichkeitstests, Prüfungen und um viel Stress und Adrenalin. Hinzu kommt die Wetterfrage: Der Simca hat kein Dach. Wenn’s regnet, wird’s ungemütlich.

Die Wiedens sehen die Rallye als sportliche Herausforderung mit immensem Spaßfaktor. Kein Wunder, dass die Landschaft gegen all das keine Chance hat.

Hintergrund: Ein legendäres Straßenrennen

Die Mille Miglia (1000 Meilen) gilt als die berühmteste Oldtimer-Rallye der Welt: Sie wurde von 1927 bis 1957 auf der 1628 Kilometer langen Strecke zwischen Brescia und Rom ausgefahren, bis ein Unfall mit mehreren Todesopfern den Schlusspunkt setzte. 1977 wurde das Rennen neu aufgelegt. Über 1600 Oldtimerfahrer bewerben sich in jedem Jahr, nur 375 dürfen mitfahren. Nächste Woche starten Fahrer aus 30 Nationen, auch aus Japan und Thailand. Das Los und vor allem der Fahrzeugtyp entscheiden, wer starten darf: Je ungewöhnlicher der Wagen, desto größer die Chance, dabei sein zu dürfen.

Diese Tour ist prominent

Die Mille Miglia ist eine im Wortsinne exklusive Runde. Das liegt auch daran, dass nur besonders edle Wagen mitfahren dürfen. Und am Startgeld, das sich auf 7500 Euro beläuft. Auf der Start-Liste stehen deshalb auch viele bekannte Namen. Dabei Sänger Herbert Grönemeyer im Wagen des Stahlmilliardärs Jürgen Großmann aus dem Ruhrgebiet (Bentley 6 1/2 Liter all weather, Baujahr 1927), Ex-Fußballer Jürgen Kohler (Mercedes SL W 198, Bauj. 1956), Ex-Formel1-Fahrer David Coulthard (Mercedes Benz 300 SLR, Bauj. 1955) und viele Vertreter der Autovermieter-Familie Sixt (Mercedes und Porsche 356 Speedster 1500 Bauj.1956) oder Luxus-Zeltbauer Jan de Boer im Bentley Speed Six, Bauj. 1928, der fürs Finale der Champions League 2012 die Zeltstadt am Münchner Stadion errichtete.

Von Claudia Brandau

Quelle: HNA

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