Traumjob unter Palmen

Kristina Udo aus Körle arbeitet als Tauchlehrerin auf Bali

Körle/Bali. Kristina Udo kann sich beim allerbesten Willen keinen Büroalltag mehr vorstellen. Denn wenn die ehemalige Angestellte einer Melsunger Krankenkasse aus dem Fenster schaut, blickt sie nicht etwa auf die Fulda, sondern auf den indischen Ozean.

Die 39-Jährige arbeitet als Tauchlehrerin auf Bali.

Das hätte sich die Körlerin noch vor zwei Jahren selbst nicht vorstellen können. Nach der Schule absolvierte sie ihre Lehre, fand eine Stelle bei der Krankenkasse – ihr Leben im Schwalm-Eder-Kreis ging einen völlig normalen Gang.

Gut gelaunte Taucher

Doch dann kam irgendwann der Moment, in dem die leidenschaftliche Taucherin die Chance erhielt, aus ihrem großen Hobby ihren Traumberuf zu machen und vom Singliser See in den indischen Ozean zu wechseln. Der Kasseler Unterwasserladen suchte eine Leitung für seine neu eröffnete Tauchstation im Norden der indonesischen Insel Bali nahe der Stadt Tejakula.

Kristina Udo griff zu. Sie kannte Bali bereits von etlichen Tauchurlauben, wusste damit, welches heiße Klima und welch bunte Kultur sie erwarten würde. Doch der wahre Grund für ihre Entscheidung: „Ich wollte mir einfach ein Jahr schenken, um das zu tun, was ich immer hatte tun wollen: tauchen.“

Aus dem einen Jahr sind mittlerweile schon beinahe zwei geworden. Und ein Ende ist nicht Sicht, denn ein Abschied vom „Teluk Karang Tauchresort“ im Norden Balis kommt für die 39-Jährige zurzeit überhaupt nicht in Frage.

Wenn man sich dort umsieht, kann man sie gut verstehen: Meterhohe Palmen wiegen sich sanft im Wind, das Meer glitzert in der Nachmittagssonne, die Atmosphäre ist völlig entspannt, das Resort ist neu und schick. Die Zeitschrift „Tauchen“ hat es gerade für sein großes Umweltengagement ausgezeichnet. In Asien ist das keine Selbstverständlichkeit. Sauberer ist es selbst im Hochtaunuskreis nirgends.

Natürlich vermisse sie ihre Familie, die in Kassel lebt, sagt Kristina Udo. Und natürlich habe sie ab und zu auch mal Heißhunger auf ein Gehacktesbrötchen oder auf ein Stück Ahle Wurst. Aber ihr Leben, sagt sie, spiele sich nun eben auf Bali ab. Dort ist sie nicht die einzige Ausländerin – es gibt viele Deutsche, die meisten sind in der Tourismusbranche tätig. An Kontakten herrscht für die Tauchlehrerin kein Mangel.

Den Kontakt zu Eltern und Geschwistern hält sie über Computer, Facebook, und das Internet-Telefon Skype. Ihren Urlaub – den sie in der Regenzeit, also im europäischen Winter nimmt, verbringt sie bei der Familie. Das Einzige, was ihr im vorigen Jahr wirklich leid getan hat, war die Tatsache, dass sie die documenta verpasst hat. „Die hätte ich wirklich gerne gesehen“, gibt sie zu.

Dennoch hat sie die Entscheidung, nach Bali zu gehen, nicht einen einzigen Tag bereut. Obwohl sie ihr Leben völlig auf den Kopf gestellt hat? „Nein“, sagt Kristina Udo entschieden. „Ich habe mein Leben nicht auf den Kopf, sondern einfach nur auf die Füße gestellt.“

Von Claudia Brandau

Quelle: HNA

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