Treffpunkt stößt Passanten ab – Anlieger und Kunden fühlen sich beeinträchtigt

Immer mehr Männer und Frauen lagern an der Wiera

+
Ein Brennpunkt: Viele nehmen Anstoß an der oft großen Gruppe Menschen, die sich während des ganzen Sommers von früh bis spät am Keilsteg hinter „Takko“ und „Rewe“ aufhält.

Treysa. Es ist ein Problem, über das viel geredet wird - hinter vorgehaltener Hand. Die Stadtverwaltung mit Bürgermeister Dr. Gerald Näser ist damit täglich befasst, ohne über Nacht eine simple Lösung anbieten zu können.

Die Brücke zwischen Wagnergasse und dem Walkmühlenzentrum und noch gravierender der Keilsteg über die Wiera hinter dem „Takkomarkt“ werden von früh bis spät belagert.

Flaschen, Dosen, Textilien, Pizzakartons und vieles mehr werden bis zu zweimal täglich von städtischen Bediensteten eingesammelt, ebenso oft schauen Hilfspolizisten im Auftrag des Ordnungsamtes vorbei, „damit zeigen wir Präsenz“, sagt Näser.

Die Männer und Frauen, die sich dort treffen, scheinen indes ihren Treffpunkt keineswegs aufgeben zu wollen. Bis zu 30 sind es diesen Sommer, „eine dynamische Gruppe“, stellen sie in der Behördensprache dar. Näser: „Das ist in diesem Umfang neu für uns.“

Der 2008 gestaltete Platz mit hochwertigem Pflaster an der Brücke zum Walkmühlenzentrum wirkt schon sehr ungepflegt, abgenutzt und damit wenig einladend.

Und das ist für die direkten Anlieger mit Lärm, Unrat und Unruhe verbunden. Anwohner und Passanten fühlen sich unsicher, meiden den historischen Durchgang, der immer schon an dieser Stelle Richtung Wagnergasse und Angel führte.

Dabei, so Bürgermeister Näser, hat die Polizei praktisch keine Klagen in Sachen Kriminalität. Der Raubüberfall vor einigen Wochen an einem helllichten Vormittag an der Brücke auf eine Radfahrerin sei eindeutig einem auswärtigen Täter, vermutlich einem schwerst Drogenabhängigen, zuzuordnen, keineswegs den Menschen vom Keilsteg.

Tatsache ist, so der Verwaltungschef: „Jeder kann ersteinmal tun, was er möchte, wir leben in einem Rechtsstaat.“ Jetzt werde sich Schwalmstadt informieren, wie andere Städte mit dem Phänomen umgehen. Eine Möglichkeit könnte eine Satzung sein, sagte Näser, „wir müssen jetzt zunächst herausbekommen, was ordnungspolizeilich möglich, es besteht Handlungsbedarf“.

Zumal sich eine missliche Aussicht auftut: Nächsten Sommer könnten es schon deutlich mehr Menschen oder mehrere Gruppen sein, die sich den Tag dort vertreiben - aber eben auch die Anwohner und Passanten. Das „Sommerproblem“, das sich nach den warmen Monaten erst einmal stark abflachen wird, setzt zugleich eine Art Frist: „Bis zum nächsten Jahr müssen wir handeln“, sagte der Bürgermeister bei einem Ortstermin gegenüber der HNA.

Einfach wird das nicht, ist sich Näser im Klaren. Wollte man, wie zum Beispiel in Freiburg im Schwarzwald, das Lagern verbieten, so müsste auch ein eingegrenzter Bezirk festgesetzt und ordnungspolizeilich überwacht werden.

Von Anne Quehl

Quelle: HNA

Kommentare