Kabarettistin Frieda Braun gastierte im voll besetzten Felsburgtheater

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Im Kontakt mit dem Publikum: Frieda Braun will Dieter Schmidt aus Gensungen programmieren – wartet aber vergeblich auf die einsetzende Trance.

Felsberg. Im voll besetzten Felsburgtheater begrüßte Veranstalter Klaus Döll „ebenso viele bekannte wie unbekannte Gesichter“, die aus dem weiten Umkreis von Felsberg zum Kabarettprogramm „Sammelfieber“ von Frieda Braun gekommen waren.

Leichte Kost für jedermann wurde angekündigt und es bewahrheitete sich rasch, dass Frieda Braun mit ihren scharfsichtigen Beobachtungen der kleinen und größeren menschlichen Unbilden des Alltags und ihren entwaffnend treffsicheren Kommentaren den Nerv des Publikums traf.

Dem Volk aufs Maul geschaut, die Sprache des Volkes authentisch einsetzend, redete sie sich widerstandslos in die Herzen der Zuhörer. Die Mundart des Sauerlandes weist eine Übereinstimmung mit dem Nordhessischen auf, den sächlichen Artikel vor Frauennamen. Daher fand sich das Publikum auch wieder, wenn Friedas Episoden mit „’s Thekla“ und „unser Mia“ begannen.

Der inhaltliche Rahmen rankt um Friedas Engagement für einen Wohltätigkeitsbasar. In der elfköpfigen Frauenriege ihrer Unterstützerinnen finden sich Charaktere, die in jedem Ort und jeder Straße zu finden sind. ’s Hanni, das auf dem Weg von Winterberg nach Niedersfeld mit seinem VW-Chicorée im Kreisverkehr völlig überfordert Runde um Runde dreht, ist kein sauerländischer Einzelfall. Auch’s Kollekten-Aga hat überall seine Doppelgängerinnen. Praktischen Haushaltssinn gepaart mit gesundem Geiz, füllt sie am letzten Reisetag die Hotelseife und das „Schampong“ in kleine Flaschen, dekoriert sie mit einer Zierkirsche und stiftet sie zu wohltätigen Zwecken.

Auch bekennt sie sich zu Öko-Lebensmitteln, speziell bei den Eiern. „Diese Egalität macht mich septisch!“ Aufregen kann sie sich über den Bruno, was dem Brunhild sein Mann ist. Der ist ein Oleander, hat schon die Symptome an sich entdeckt, bevor die Krankheit von der pharmazeutischen Industrie erfunden ist. Von Angora Pectoris über Galle bis Poresta hat der alles, was die Antlitzdiagnose hergibt.

Karin Berkenkopf verkörpert in Frieda Braun eine herzerfrischende sauerländische Quasselstrippe, das schelmisch-charmante Landei mit Realitätssinn und dem Herzen auf der Zunge. Lockenwickler und großrandige Hornbrille, Nylonkittel und Gesundheitspantoletten machen sie zur Type, stellvertretend für Menschliches und allzu Menschliches. Mit „woll?“, und „kumma!“, rollendem R und manchem Fremdwort- Fauxpas garniert sie Klatsch und Tratsch, aber auch Tiefsinniges und Privates. So viel pralles Leben! So gut präsentiert! Selten so gelacht!

Quelle: HNA

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